Prag - In der tschechischen Regierungskrise hat Präsident Vaclav Klaus baldige Neuwahlen als "beste Lösung" bezeichnet. Er werde "nicht zulassen", dass sich der Streit in der sozialliberalen Koalition bis zu regulären Wahlen im Juni 2006 hinziehe, warnte das konservative Staatsoberhaupt am Sonntag. Klaus beschuldigte den sozialdemokratischen Regierungschef Stanislav Gross (CSSD), mit undurchsichtigen Immobiliengeschäften die Krise verursacht zu haben. Die CSSD führe seit ihrem ersten Wahlsieg 1998 das Land in "die falsche Richtung", warf er zudem der stärksten Regierungspartei vor.

Der konservative Oppositionsführer Mirek Topolanek von der Demokratischen Bürgerpartei (ODS) sagte, er sei zu Neuwahlen im Herbst 2005 bereit. "Niemand glaubt mehr dem Ministerpräsidenten, ihm bleibt nur ein ehrenhafter Abgang", sagte der ODS-Vorsitzende, dessen Partei in Umfragen klar führt.

Gross will nicht abtreten

Gross lehnte einen Rücktritt erneut ab und kündigte eine Lösung der Krise "bis Ende nächster Woche" an. Er hatte gedroht, sich vom christdemokratischen Partner KDU-CSL zu trennen und mit einer Minderheitsregierung zu amtieren. Die KDU-CSL will die Koalition fortsetzen, allerdings ohne Gross.

Der dritte Partner in dem Bündnis, die Liberalen (US-DEU), drohten am Sonntag damit, die Koalition zu verlassen, sollte in den nächsten Tagen keine Lösung gefunden werden. Auch der ehemalige Ministerpräsident Milos Zeman (CSSD) forderte seinen Nachfolger und Parteifreund Gross angesichts der umstrittenen Immobiliengeschäfte zum Rücktritt auf. Eine "Beamtenregierung" sollte das Land zu Neuwahlen führen, sagte Zeman. Gross war unter Druck geraten, weil er mit seiner Ehefrau in den vergangenen Jahren mehrere Immobilien erworben hatte, ohne die Geldquellen vollständig offen zu legen. (APA/dpa)