Wien – Nach Autos und Eiskästen sind die Gebäude dran: Ab 2006 kommt das EU-"Pickerl" für Häuser. Sprich: Bei jedem Neubau, größeren Umbau oder bei einem Eigentumswechsel muss ein Energieausweis erstellt werden, wie Professor Erich Panzhauser von der TU-Wien im Standard -Gespräch erläutert. Der soll tatsächlich so ähnlich aussehen, wie die Eiskastenpickerln und von einer Energie-Klasse A (Niedrigstenergiehaus/Passivhaus) bis hin zur Energieklasse G (Wärmeschleuder) reichen (siehe Grafik).

CO-Ausstoß soll reduziert werden

"Das Ziel ist eine Reduktion des CO-Ausstoßes, des Energieverbrauchs und gleichzeitig eine Verbesserung der Wirtschaftlichkeit aber auch der Wohnqualität und des Gesundheitswertes", so Panzhauser.

Vor allem aber rechne Brüssel damit, dass mit dem Energieausweis auch Marktkräfte frei werden. Sprich: Dass jemand, der ein schlecht isoliertes und Energie fressendes Gebäude anbietet, dafür auch nicht so viel verlangen kann. Und dass im Gegenzug gut gedämmte und top ausgerüstete Häuser auch besser verwertet werden können – weil ja die Betriebskosten deutlich niedriger sind.

Für öffentlich zugängliche Gebäude mit mehr als 1000 Quadratmetern muss die Zertifizierung überdies für alle Besucher ersichtlich im Eingangsbereich angebracht werden.

Offene Fragen

Gleichzeitig sind aber noch einige Fragen offen: etwa wer dann tatsächlich diese Bewertungen vornehmen und die Zertifizierungen ausstellen darf. "Keine Frage: Wir wollen das machen", erklärt Klaus Reisinger, Geschäftsführer von Allplan, einem Consultingunternehmen für Energie- und Umweltmanagement von Gebäuden. "Die Bewertung sollten Ziviltechniker, Techniker oder auch Umweltverbände anbieten können. Es sollte jedenfalls kein Pickerl sein, das der Rauchfangkehrer nebenbei aufpickt."

Panzhauser fordert weiters: "Wenn es für Gebäude keine Rücklagen gibt, sollte mehr Hilfe durch die öffentliche Hand kommen. Da müssten sich alle Bundesländer und der Bund einen Ruck geben." (Roman David-Freihsl, DER STANDARD - Printausgabe, 26./27. Februar 2005)