Klagenfurt - Kein Ende im Streit um die Vergabe des Fußball-EM-Stadions in Klagenfurt: Am Sonntag attackierte das vom Land Kärnten entsandte Mitglied der Vergabekommission Franz Widrich den Klagenfurter Bürgermeister Harald Scheucher (V). Dieser müsse erklären, wie vertrauliche Informationen nach der Anbotseröffnung vom 22. Februar an die Öffentlichkeit gelangen hätten können, forderte Widrich gegenüber der APA.

Die Info-Illustrierte "News" berichtet in ihrer jüngsten Ausgabe über die Anbotseröffnung: "Am 22. fand im Wiener "Haus des Sports" in der Prinz-Eugen-Straße 12 in Anwesenheit eines Notars, eines Rechtsanwaltes und des Klagenfurter Bürgermeisters Scheucher und weiterer Zeugen die Öffnung der endgültigen Offerte statt. Es bleibt dabei: Das Billigst- und Best-Offert kommt von der Firma Porr - das Konkurrenzprojekt der Strabag war weit abgeschlagen."

Widrich betonte, dass kein Vertreter des Landes Kärnten bei der Anbotseröffnung dabei gewesen sei: "Ich fordere Herrn Bürgermeister Scheucher auf, der Öffentlichkeit zu erklären, wie diese streng vertraulichen Informationen einen Tag später an eine Wiener Zeitschrift gelangen konnten." Nach seinem Dafürhalten stelle diese Information "einen klaren Bruch der Amtsverschwiegenheit dar", das Vergabeverfahren könnte dadurch neuerlich gefährdet werden, kritisierte Widrich.

Nach der Veröffentlichung der ursprünglichen Angebote der sechs Bieter in einer Kärntner Wochenzeitung war Widrich verdächtigt worden, die Unterlagen der "Kärntner Woche" zugespielt zu haben. Er bestreitet diesen Vorwurf vehement und legte eine entsprechende eidesstattliche Erklärung vor.

Scheucher verlangte allerdings eine weitere eidesstattliche Erklärung, deren Unterzeichnung Widrich allerdings bisher ablehnte. Er kritisierte vor allem den Umstand, dass der Bürgermeister von ihm eine Schad- und Klagloserklärung "für das 100-Millionen-Projekt" verlangt habe, also er im Falle eines Nichtzustandekommens des Stadionbaus die Schuld dafür zu tragen hätte. Dies würde er auf keinen Fall akzeptieren.

Laut einem Bericht in der Sonntagausgabe der "Kleinen Zeitung" hätten zehn von elf Mitgliedern der Vergabekommission die von Scheucher verlangte eidesstattliche Erklärung unterzeichnet, mit Ausnahme Widrichs. Dieser fordert vom Bürgermeister nun, "mir diese zehn Erklärungen vorzulegen", damit er seinerseits weitere Entscheidungen treffen könne. Der Klagenfurter Konzerthausdirektor begründete seine Forderung damit, dass Scheucher schon einmal einen "vom Inhalt her unwahren Aktenvermerk öffentlich verteilt" hätte. Daher könne er nur "dem Glauben schenken, was mir vorgelegt wird". (APA)