Bild nicht mehr verfügbar.

Foto: APA/Pfarrhofer
Die Industrie macht sich also Sorgen um den Standort Österreich. Daher schlägt Veit Sorger, Industriellenvereinigungs-Präsident, einen Gesetzesvorschlag vor, der das Problem lösen soll.

Im Grunde ist’s ja ganz einfach: Wenn die Arbeitnehmer nicht so teuer wären – vor allem, weil sie für die Leistung von Überstunden so viel zusätzlich bezahlt bekommen (normalerweise 50% Zuschlag ab Überschreitung der Normalarbeitszeit an Werktagen und tagsüber) – dann könnte man viel mehr Arbeitnehmer einstellen. Daher soll die tägliche Arbeitszeit auf zehn Stunden ausgedehnt werden können, ohne dass dafür Überstunden zu zahlen sind, die wöchentliche auf maximal 60 Stunden usw.

Noch weniger Anreiz, Arbeitskräfte einzustellen

Ist die Annahme verfehlt, dass die Industriellenvereinigung (IV) damit rechnet, dass die Pisa-Ergebnisse erwarten lassen, dass dieser rechnerische Humbug in Österreich nicht durchschaut wird? Wenn es billiger wird, die vorhandenen Arbeitnehmer länger zu beschäftigen, dann sollen mehr neue eingestellt werden?

Das Gegenteil ist wahr. Es gibt dann noch weniger Anreiz, zusätzlich neue Arbeitskräfte einzustellen. Und es gibt 25 bis 50 Prozent mehr preiswerte Arbeitskapazität bei den vorhandenen MitarbeiterInnen. Da muss die Konjunktur schon ganz schön anziehen, damit dieser Spielraum ausgeschöpft werden kann und dann allenfalls zur Einstellung neuer MitarbeiterInnen führt. Die Überstunden-Zuschläge haben nämlich zweierlei Wirkung: sie sollen den Arbeitgeber davon abhalten, die Arbeitnehmer länger als gesundheitlich zweckmäßig zu beschäftigen sowie ökonomisch einen Anreiz bieten, stattdessen lieber zusätzliche Beschäftigte einzustellen. Bloß der zweite Effekt ist, dass die Beschäftigten bei Überstunden auch mehr verdienen. Hier also die Aufforderung an die IV, uns nicht für dumm zu verkaufen.

Marx hat noch immer Recht

Und man wird nicht weit fehl gehen in der Annahme, dass die IV auch damit gerechnet hat, dass die heutigen ArbeitsplatzbesitzerInnen unter dem Eindruck von über 300 000 Arbeitslosen (Tendenz immer noch steigend) aus purer Angst um den eigenen Job zu Zugeständnissen bereit sein werden.

Karl Marx hat die Wirkung der so genannten industriellen Reservearmee schon im vorletzten Jahrhundert analysiert. Und seine Analyse trifft leider auch noch heute. Und hier die Aufforderung an die Regierung, endlich eine Wirtschaftspolitik zu machen, die die Nachfrage stimuliert und daher zu zusätzlichen Arbeitsplätzen und damit zu Abnahme der Zahl der Arbeitslosen führt.