Schön langsam gewöhnen wir uns daran, dass wir beim Arbeiten "flexibler" sein müssen. Das alte industrielle Arbeitsmodell von fünf Tagen zu acht Stunden (über den Daumen gepeilt) ist ohnedies schon längst passé, und die Welt ist deswegen nicht untergegangen. Kann sein, dass da und dort noch mehr Flexibilität erforderlich ist.

Aber an den Gedanken, dass wir diese flexiblere Arbeitszeitgestaltung generell um weniger Geld absolvieren sollen, daran sollten wir uns nicht gewöhnen. Denn dieser hat mit einem antiquierten Verständnis von Gehaltsniveaus zu tun, das gern von Arbeitgeber- wie Arbeitnehmerseite gepflegt wird: Wir rechnen in Monatsnettolöhnen, vielleicht sogar in Stundenlöhnen; und das macht diese Flexibilisierungsdebatte so undurchschaubar.

Denn in manchen Branchen sind Überstunden-, Sonn- und Feiertagszuschläge gang und gäbe, daraus ergibt sich ein Jahresgehalt. Dieses in neuen Arbeitszeitmodellen aufzuteilen, macht man sich am besten betriebsweise aus, wo sonst wüsste man die Gegebenheiten besser einzuschätzen? Das ergibt dann, übers Jahr gerechnet, flexiblere Arbeitszeit zum selben Geld.

Aber für eine Reduktion des Jahresgehalts durch Streichung der "Zuschläge" fehlen im Allgemeinen gute Gründe. Im Großen und Ganzen haben Unternehmen in den vergangenen Jahren besser als zuvor verdient, der Export legt trotz starken Euros zu, was ein Hinweis auf gesteigerte Produktivität ist. Warum sollten Arbeitnehmer in dieser Situation für weniger arbeiten?

Die Nebenwirkungen könnten sehr unangenehm sein: weniger Konsum; oder mehr Pfusch, um den Standard zu erhalten; oder mehr Einkauf von Pfusch, um sich mit Weniger dasselbe leisten zu können; oder eine Kombination von allem. Pfuschen fällt übrigens leichter, wenn wir flexible Arbeitszeiten haben. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 01.03.2005)