Indem der Direktor der Albertina geschützte Kulturgüter ohne Bewilligung des Denkmalamtes nach Spanien bringen ließ, hat er sich einer Verwaltungsübertretung verdächtig gemacht. Die Höchststrafe hiefür beträgt rund 50.000 Euro, es handelt sich also schon um mehr als nur ein Strafmandat wegen Falschparkens.

Darüber hinaus besteht aber auch ein Verdacht nach dem Strafgesetzbuch: Wer nämlich die ihm durch Gesetz, behördlichen Auftrag oder Rechtsgeschäft eingeräumte Befugnis, über fremdes Vermögen zu verfügen, wissentlich missbraucht und dadurch anderen einen Vermögensnachteil zufügt, begeht das Verbrechen der Untreue nach § 153 StGB. Das Pouvoir Schröders als Direktor der Albertina umfasst ziemlich sicher nicht die Ermächtigung zur rechtswidrigen Ausfuhr geschützter Bestände, der von ihm geleiteten Albertina, von einem wissentlichen Missbrauch seiner Befugnis kann also ausgegangen werden.

Versuchte Untreue

Bleibt fraglich, ob die Ausfuhr der Dürer-Grafiken schon an sich einen Vermögensnachteil für die Republik als Eigentümer darstellt. Dafür spricht, dass ihr jedenfalls auf Zeit die Verfügung über diese Grafiken entzogen wurde. Dass sie - vielleicht sogar unbeschädigt - wieder nach Österreich zurückkehren könnten, entlastet Schröder nicht. Denn nach Auffassung des Obersten Gerichtshofes (1995/ 09/14 12 Os 115/95) erfordert der Tatbestand der Untreue keinen dauernden Schaden, ein vorübergehender genügt. Die bloße Gefährdung des Vermögens (Risiko von Schäden an den hoch empfindlichen Originalen beim Transport und in der Ausstellung im Prado) reicht zwar nicht für eine vollbrachte Untreue, wohl aber für den Versuch dieses Verbrechens (OGH 1996/11/19 14 Os 166/96).

Dass Direktor Schröder das Ausmaß dieser Gefahr, die eine Ausstellung der Dürer-Originale sogar in der Albertina selbst langfristig verbietet, bekannt war, ergibt sich aus seinen Äußerungen anlässlich der Dürer-Ausstellung 2003.

Von "strafrechtlicher Irrelevanz" (Gehrer) kann somit keine Rede sein. Von Konsequenzen müsste die Rede sein. (DER STANDARD, Printausgabe, 01.03.2005)