Wien - Albertina-Chef Klaus Albrecht Schröder schiebt in der Causa um die von Bundesdenkmalamt (BDA) nicht genehmigte Ausfuhr von Dürer-Werken aus der Sammlung Albertina - darunter der berühmte "Feldhase" als Leihgabe an den Prado - der Kunst-Spedition den "Schwarzen Peter" zu. "Ich glaube nicht, dass mich eine Schuld trifft", sagte Schröder Montag Abend in der ORF-Sendung "Treffpunkt Kultur". Er habe den "Hasen" nicht ohne Genehmigung außer Landes geschickt. Vielmehr sei eine der erfahrensten und versiertesten Speditionsfirmen mit der Abwicklung und Durchführung des Transports beauftragt worden, "auch hinsichtlich seiner notwendigen Genehmigungen".

Augenscheinlich sei dieses Ansuchen um Genehmigung des Transports beim BDA zu spät erfolgt. "In dem Augenblick, in dem ich das erfahren habe, habe ich sofort den zweiten Transport nach Madrid stoppen lassen, rechtfertigte sich Schröder, und weiter: "Ich habe in keinem Augenblick wissentlich einen Transport eines so wertvollen Kunstguts nach Madrid ohne Genehmigung weggeschickt."

"Kann nicht Aufgabe des Direktors sein"

Befragt, warum er nicht selbst um Transport so wertvoller Kunstgüter ansuche, meinte Schröder, dass pro Jahr über 1.000 Werke aus seinem Hause verliehen würden. Dafür bedürfe es einer hochspezialisierten Abteilung der Albertina, die das gemeinsam mit einer spezialisierten Transportfirma abwickle. "Das kann nicht Aufgabe des Direktors sein." Er habe aber auf Grund des aktuellen Falles "sofort Anweisung gegeben, dass ab sofort die Albertina selbst diese Ansuchen durchführen wird, wir werden das nicht mehr delegieren, wie das seit 16 Jahren von allen Bundesmuseen gemacht wurde".

Auf seine, Schröders, Frage bei der Spedition, wie es passieren konnte, dass zu spät um Ausfuhr angesucht wurde, habe er eine "unbefriedigende Antwort" erhalten: Die Prüfung sei nicht absehbar gewesen, weil in den letzten Jahren keine einzige Leihgabe geprüft worden sei, so die Antwort des Transportunternehmens laut Albertina-Chef. Es sei "schlechter Usus" gewesen, dass man der Spedition das vor 16 Jahren übertragen habe und diese die Ausfuhrgenehmigung als Formalakt angesehen habe, meinte Schröder, der "die Rechtmäßigkeit und Seriosität der Prüfung durch das BDA nicht in Frage stellt".

Bereits im Vorfeld Verhandlungen

Dass er den "Feldhasen" und andere Dürer-Werke bereits knapp zwei Jahre nach Ende der großen Dürer-Schau in der Albertina wieder auf Reisen schicke, obwohl er damals beteuerte, dass die Blätter für lange Zeit wieder ins Depot müssten, rechtfertigte Schröder folgendermaßen: Es habe bereits im Vorfeld der Wiener Dürer-Schau Verhandlungen mit wichtigen Leihgebern gegeben und "es war klar, dass diese drei Ausstellungen (Wien sowie die geplanten Schauen in Madrid und Washington, Anm.) als eine Einheit angesehen werden". Im Unterschied zu anderen Ausstellern würde er aber diese Tournee nicht en suite machen, sondern für 1,5 Jahre unterbrechen, und in dieser Zeit die Werke untersuchen, "um sicherzustellen, dass nichts passiert".

Dass der Prado nun auf die Originale besteht und sich nicht nach Ablauf von vier Wochen mit Repliken zufrieden geben will, ist für Schröder eine "schwierige, ernste Situation". Man müsse überlegen, wie man in Zukunft damit umgehe. Er wolle den Bescheid auch mit dem BDA besprechen. Auswirkungen wird der Denkmalamts-Bescheid auch auf weitere geplante Ausstellungen haben: "Wir können im Augenblick nicht davon ausgehen, dass die Ausstellung in Washington stattfinden kann", so Schröder. Geplant war, ab Anfang Oktober Meisterwerke aus den Beständen der Albertina in der US-Hauptstadt zu zeigen. (APA)