Das Geld für die Eintrittskarten gibt’s zurück, das ist wohl das Mindeste, was die Fußballfans erwarten dürfen. Eigentlich haben sie gestern ein Länderspiel gegen Kroatien erwartet, es wurde abgesagt, dem Vernehmen nach hatten die Kroaten wegen des gefrorenen Bodens Angst vor Verletzungen. Das Happel-Stadion hat keine Rasenheizung, was man spätestens seit zwei Wochen weiß, da die Europacuppartie der Austria gegen Bilbao aus demselben Grund verschoben wurde.

Diesmal hat man immerhin nicht erst eine halbe Stunde, sondern schon einen halben Tag vor Spielbeginn abgesagt. Die Zuschauer wurden dennoch vor den Kopf gestoßen, als würden sie ihn nicht ohnedies schon schütteln vor lauter Verwunderung. Der ÖFB hat die Partie partout nicht nach Graz oder Linz oder Innsbruck vergeben, wo Stadien mit Rasenheizung stehen, in denen sich zudem das Publikum - gerade einmal 8000 Karten waren verkauft - nicht verloren hätte. Und die Stadt Wien ist jahrelang und trotz einiger Vorstöße in diese Richtung nicht auf die Idee gekommen, ihr größtes Stadion aufzurüsten.

Wien ist ein Kapitel für sich, es gibt kaum eine andere Großstadt in Europa, in der Spitzensport so wenig Raum bekommt. Auch die größten Hallen (Stadthalle, Dusika-Stadion) sind, weil zu klein, längst nicht mehr zeitgemäß. Jene Eishockey-WM, die Ende April beginnt, wird die letzte in Österreich sein, wenn nicht ein neues Sportzentrum errichtet wird.

So zeichnet nicht der arme Fußball-Teamchef Krankl, sondern die Hauptstadt für einen Teil, eigentlich keinen Teil der Vorbereitung auf die Ende März drohenden WM-Quali-Spiele gegen Wales verantwortlich. Der Weg zur Heim-EM 2008 wird immer steiler. Sie wird im Juni gespielt, wenigstens geht jetzt Wien echt auf Nummer sicher und baut eine Rasenheizung ein. (DER STANDARD, Printausgabe, Donnerstag, 3. März 2005)