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Im September 2003, zu Beginn der Dürer-Schau in der Albertina, hatte Klaus Albrecht Schröder erklärt, der "Feldhase" dürfe viele Jahre nicht mehr gezeigt werden.

Foto: APA
Der Prado macht Druck und will den Hasen drei Monate zeigen. Das Denkmalamt hält aber am Bescheid fest. Und Schröder verniedlicht die Probleme.


Wien/Madrid/Washington – Am Podium hatte sich eine bedrohliche Harmonie eingestellt: Bildungsministerin Elisabeth Gehrer, Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder und Wilfried Seipel, Chef des Kunsthistorischen Museums, beteuerten am Dienstag bei einer Diskussion im Liechtenstein Museum, dass alles paletti sei in den Bundesmuseen. Im Herunterspielen von Problemen bewies Schröder nachgerade Meisterschaft:

Es sei nicht tragisch, wenn ein zentrales Bild der Dürer-Ausstellung (das Große Rasenstück) im Prado fehlen werde, und es sei mehr oder weniger normal, dass fünf weitere Werke, nämlich die wichtigsten, darunter der das Katalogcover zierende Feldhase, nach vier Wochen abgehängt werden müssen: Es gäbe "keinen Hinweis, dass der Prado Schadenersatzansprüche stellen könnte. Das Museum wird am Montag eine herausragende Ausstellung eröffnen."

In Spanien hingegen sieht man die Angelegenheit etwas anders. Der Prado verzichtete zwar auf das Große Rasenstück, das vom Bundesdenkmalamt mit einer Ausfuhrsperre belegt worden war. Das Museum rechnet aber dennoch damit, dass sich Albertina und Denkmalamt über den Verbleib der fünf Werke in Madrid über die Gesamtdauer einigen: Man habe der Albertina jede Unterstützung zugesagt und "außerordentliche technische Vorkehrungen" getroffen, um die Werke keiner weiteren Gefahr auszusetzen.

Auf Anfrage des STANDARD wollte man im Prado für den Fall des Scheitern der Verhandlungen eine Klage gegen die Albertina aber "nicht ausschließen": Im November 2004 war eben eine Laufzeit von drei Monaten vertraglich fixiert worden. Am Mittwochnachmittag zog der Prado diesbezügliche Überlegungen zurück, weil Optimismus angesagt sei. Gleichzeitig beteuerte das Denkmalamt aber, an seinem Bescheid festzuhalten. In der Albertina ist man daher weiterhin hoch nervös.

In Spanien wird natürlich auch die Schuldfrage – um die Ausfuhrbewilligung wurde nicht zeitgerecht angesucht – erörtert. Die Madrider Tageszeitung ABC meinte, dass es eigentlich egal ist, wer Schuld hat. "Fest steht: Das Prado Museum wird das Opfer sein, da es auf sechs der 87 zugesicherten Werke verzichten muss."

Gegenüber dem STANDARD äußerte der Kunstkritiker der Zeitung El Mundo Sorge um den Ruf der Albertina. Marcos-Ricardo Barnatan befürchtet im Fall eines Vertragsbruchs negative Auswirkungen auf deren Ausstellungsprojekte. "So etwas spricht sich schnell herum, viele Türen werden sich für Anfragen aus Wien verschließen."

Negative Konsequenzen befürchtet auch manch Museumsdirektor in Wien: Die Affäre bedeute "zweifellos einen Imageverlust der österreichischen Museen im Ausland", so Rudolf Leopold. Und Wilfried Seipel sagte zur APA, dass "in Museen im Ausland bereits die Sorge geäußert wurde, ob mit österreichischen Museumsdirektoren weiterhin verlässliche Verträge abgeschlossen werden können, wenn diese durch den Einspruch Dritter als nicht vollziehbar erklärt werden." Einen Imageschaden befürchte er nicht, "es sei denn, vertraglich fixierte Ausstellungen müssen abgesagt werden."

Die für den Spätherbst geplante Dürer-Ausstellung der Albertina in Washington ist aber bereits abgesagt worden: Schröder setzte die National Gallery in Kenntnis, dass die Dürer-Blätter nach Madrid laut Bescheid fünf Jahre ruhen müssen. Das Museum nahm die Ausstellung aus dem Programm. Gegenüber dem STANDARD sagte eine Sprecherin, man sei für alles offen und hoffe auf eine Realisierung zu einem späteren Zeitpunkt.

Die für die Museen zuständige Sektionschefin Brigitte Böck bezeichnete Schröders Vorgangsweise als "nicht ordnungsgemäß". Künftig dürfe sich eine solche nicht mehr wiederholen: "Die Ausfuhransuchen müssen gestellt werden, bevor ein Vertrag abgeschlossen, ein Katalog gedruckt wird." Demnächst werde eine Weisung an die Museumsdirektoren ergehen. Zudem sollen die Kuratorien der Museen auf ihre Kontrollfunktion hingewiesen werden. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.3.2005)