Maastricht - Seit 2002 veröffentlicht The European Fine Art Foundation Studien zum aktuellen Kunstmarkt. Nach dem Fokus auf das europäische Marktgeschehen (2002), zur Umsatz-/Mehrwertsteuer (2003) und den Interaktionen zwischen dem Markt und der Welt der Kunst (2004), behandelt die heuer veröffentlichten Studie "droit de suite".

Bereits vergangenes Jahr philosophierten John Sailer und Arnulf Rainer in diesem Forum zum Folgerecht, vorweg: die beiden outeten sich nicht als Befürworter. Ihr Fazit: Langfristig wird dieses Recht wahrlich Folgen haben. Konkret: umfassende negative Auswirkungen, sowohl für den europäischen Markt als auch langfristig für dessen Künstler.

Aktuell hat man die Situation des Marktes für moderne und zeitgenössische Kunst vor der Einführung des Folgerechtes durch die Europäische Union (1. Jänner 2006) anhand von mehr als 146.000 Transaktionen aus den vergangenen viereinhalb Jahren in 47 Ländern untersucht.

Als Datenbasis fungierten Verkäufe über 3000 Euro, jenes Niveau das vom EU-Direktorium zum Mandat gemacht wurde. Das Ergebnis: droit de suite bedeutet einen überwältigenden Gewinn für die Erben verstorbener Künstler. Wenn das Folgerecht bei allen Auktions-Transaktionen in der EU im Jahr 2003 gegriffen hätte, hätten die Erben 81 Prozent der Erlöse eingenommen. Und, die Zahl der profitierenden lebenden Künstler ist wesentlich geringer als häufig angenommen. Von Jänner 2000 bis Juni 2004 verzeichnete man weltweit nur von 3876 lebenden Künstlern Preise über 3000 Euro - in der gleichen Zeit wurden 9987 Werke verstorbener Künstler verkauft.

Die Schlussfolgerung von Kulturökonomen Victor Ginsburg: Die Entscheidung für das Folgerecht stellt ein klares Risiko dar. Denn zusätzlich zu den Kosten der Verkaufstransaktion in der EU droht ein Exodus dieses Marktes in jene Länder, die diese Abgabe nicht erheben; mit dem Ergebnis des Verlustes von Marktanteilen für alle Länder der Europäischen Union.

2003 fanden 60 Prozent der weltweiten Verkäufe mit einem Wert von über 200.000 Euro in New York statt. Der Anteil jener sechs EU-Staaten, die bereits "droit de suite"-Abgaben berechnen, belief sich dagegen auf lediglich 7,4 Prozent. (kron/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.3.2005)