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Foto: AP/Keplicz
Zürich - Der eine Klang schmeckt salzig, andere Akkorde nach reinem Wasser. Eine seltene Art verkoppelter Sinneswahrnehmung bzw. Synästhesie haben Forscher der Universität Zürich in Tests bei einer jungen Schweizer Profimusikerin belegt. Wenn die 27-jährige Flötistin ein bestimmtes Tonintervall hört, fühlt sie einen jeweils dazugehörigen Geschmack auf der Zunge, das Team des Instituts für Neuropsychologie in der Fachzeitschrift "Nature" vom Donnerstag berichtet. In dieser ausgeprägten Form sei ein solches Phänomen bisher nicht wissenschaftlich beschrieben worden, sagte Professor Lutz Jäncke.

So ordne die aus Basel stammende Frau etwa einer kleinen Terz unwillkürlich einen salzigen Geschmack zu, eine große Terz schmecke süß. Dies komme ihr auch in ihrem Beruf als Flötistin zu Gute. Nach Angaben der Wissenschafter ist diese Form einer Synästhesie sehr selten, während bestimmte Menschen beim Hören von Musik zum Beispiel häufiger auch Farbeindrücke empfinden.

Wahre Geschmackssicherheit

Um die besondere Sinneskoppelung zu belegen, testeten die Forscher die Reaktionen der Frau über mehr als ein Jahr. Bei Vergleichen mit fünf anderen Musikern habe sie eine klar schnellere "Treffsicherheit" bei der Zuweisung von Geschmäckern und Tönen gezeigt. Zudem ordne die Frau einzelnen Tönen jeweils eine bestimmte Farbe zu.

Besondere Fähigkeiten bei der Verknüpfung von Sinneswahrnehmungen haben nur wenige Menschen. Dies treffe wohl nur auf eine von 2.000 Personen zu, erläuterte Jäncke. Andere Schätzungen gehen davon aus, dass sogar einer von 500 Menschen Synästhetiker ist.(APA/dpa)