Vor etlichen Jahren lenkte der verstorbene Kulturpublizist Jörg Mauthe die Aufmerksamkeit auf die Verwahrlosung des Kunsthistorischen Museums (ein kunstbegeisterter amerikanischer Botschafter hatte z.B. auf mit Reispapier verklebte Spalten in berühmten Niederländern aufmerksam gemacht). Heute sind Museen überwiegend nicht mehr Stiefkinder eines desinteressierten Staates, es wurden beträchtliche Mittel bereitgestellt und Museumsdirektoren nach ihrer Fähigkeit bestellt, Sponsoren aufzutreiben, Ausstellungs-Events zu veranstalten und so etwas wie Wettbewerb untereinander einzuführen.

Vorher: indolenter Kameralismus. Heute: Turbo-Museen. Aber die Sache ist zu steil geworden. Ein Albertina-Chef, der die Debatte über die Reisefähigkeit eines 500 Jahre alten, in Wirklichkeit unschätzbaren Kunstwerks dem Routine-Dialog zwischen Kunstspedition und Denkmalamt überlässt, handelt kühn. Ob er sich nun nichts dabei gedacht hat oder ob er hoffte, die extensive Ausleihe werde irgendwie nicht auffallen - beides ist fragwürdig.

Dynamische Kunstmanager sind fast immer Imperiumsbauer. Aber sie brauchen auch Grenzen. Und die sind hier schon seit Längerem nicht gezogen worden. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.3.2005)