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Die Ex-HP-Chefin Charly Fiorina hat gute Karten auf den Weltbank-Chef-Sessel

Foto: Reuters/MIKE BLAKE
Brüssel/Washington - Die Ex-Chefin des US-Computerkonzerns Hewlett Packard (HP), Carly Fiorina, zeichnet sich als Favoritin für den Chefposten bei der Weltbank ab.

Wolfowitz nicht mehr im Rennen

Der scheidende Amtsinhaber James Wolfensohn sagte am Donnerstag in Brüssel, der bislang als ärgster Konkurrent Fiorinas geltende US-Vizeverteidigungsminister Paul Wolfowitz sei nicht mehr im Rennen. "Herr Wolfowitz ist, denke ich, nicht mehr im Spiel, deswegen denke ich, besteht keinerlei Notwendigkeit, einen Kommentar abzugeben", sagte Wolfensohn nach einem Treffen mit EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso in Brüssel.

Sein Nachfolger solle jemand sein, der leidenschaftlich gegen Armut kämpfe und sich für die Entwicklung der Menschen einsetze und nicht nur ein guter Manager. Allerdings verlautete aus der US-Regierung nahe stehenden Kreisen der Republikanischen Partei, Wolfowitz bewerbe sich ebenso wie Arbeitsministerin Elaine Chao weiter um das Amt.

Bank brauche Person mit guten Marketing-Fähigkeiten

Bereits zuvor verlautete aus Kreisen der US-Regierung, die 50-jährige Fiorina sei unter den Topkandidaten für das Präsidentenamt bei der Weltbank, das traditionell von den USA besetzt wird. Dafür steht im Gegenzug in der Regel ein Europäer an der Spitze des Internationalen Währungsfonds (IWF). Vor allem wegen ihrer Fähigkeiten in Management und Marketing sei Fiorina in der Regierung von Präsident George W. Bush hoch angesehen, sagte ein US-Regierungsvertreter, der namentlich nicht genannt werden wollte. "Der Bank mangelt es nicht an Leuten mit Erfahrung im Entwicklungsbereich. Es fehlt ihr an Leuten mit guten Marketing-Fähigkeiten, die die Wahrnehmung der Institution verändern können."

Auf die Frage, ob Wolfowitz für den Weltbank-Posten geeignet sei, scherzte Wolfensohn: "Ich habe den Namen meines Sohnes ins Spiel gebracht und ich denke, es wurde etwas verwechselt." Das US-Verteidigungsministerium gab eine Mitteilung heraus, wonach Wolfowitz wohl in seinem Amt bleiben wird.

Wolfensohn wird seinen Posten nach zehn Jahren im Amt Mitte Mai räumen. Die Weltbank vergibt langfristige Kredite an Länder und soll den wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt ihrer weniger entwickelten Mitgliedstaaten fördern.

Fiorina war Anfang Februar überraschend bei HP als Chefin abgesetzt worden, nachdem die unter ihrer Führung vollzogene Fusion mit dem Computerhersteller Compaq nicht die erhofften Vorteile erbracht hatte. Wolfowitz, den viele für den einflussreichsten Neo-Konservativen in der Bush-Regierung halten, ist eine relativ umstrittene Persönlichkeit. In Europa wurde er vor allem wegen seines harten Irak-Kurses kritisiert. (APA/Reuters)