Gezählte sechs Sekunden soll vergangenen Dezember in Macao der Handschlag zwischen Chinas Staats- und Parteichef Hu Jintao und Hongkongs kommenden Verwaltungschef Donald Tsang gedauert haben. Das ist die Zeitspanne, in der sich in China Karrieren wenden. Und damit die Botschaft auch wirklich verstanden wurde, rügte Hu Jintao an jenem Tag in Macao auch Hongkongs amtierenden Regierungschef Tung Chee-hwa, weil dieser den Ruf nach Demokratie von einer halben Million Demonstranten in der Finanzmetropole nicht in Zaum halten konnte. Tung ist nun aus dem Spiel. Dass er nicht einmal offiziell seinen eigenen Rücktritt erklären kann, spricht Bände über die politische Autonomie unter der Formel "ein China, zwei Systeme", dem organisierten Nebeneinander der früheren britischen Kronkolonie mit dem kapitalistisch-kommunistischen Festland. Zehn Tage soll Tung verstreichen lassen, bis er auf einen der 24 Posten eines Vizepräsidenten von Chinas Beraterparlament, der so genannten Konsultativkonferenz, abgeschoben ist. Dann kann der frühere Reeder seinen Abschied von der Regierung bekannt geben. Fünf Jahre mögen nun auch ins Land gehen, bis sich wieder die Frage einer Wahlreform stellt: Tungs Nachfolger Tsang könnte bei entsprechender Auslegung von Hongkongs Grundgesetz gleich eine volle Amtszeit bis 2010 erhalten; Peking ersparte sich damit erst einmal eine neue Debatte mit Hongkongs Bürgern über die versprochene Direktwahl. Der Wachwechsel in Hongkong ist ein Alarmsignal für die EU, die USA und Taiwan. Die "Ein-China-Politik", die an Hongkong und Macao exekutiert wurde, will Peking nun strafrechtlich mit einem "Anti-Sezessionsgesetz" bei der jährlichen Parlamentssitzung absichern. Washington und die EU-Staaten, die seit Jahren diese "Ein-China-Politik" hoch halten, bringt es in eine unangenehme Lage - für Taiwan aber ist es eine Kriegsdrohung. (DER STANDARD, Printausgabe, 4.2.2005)