Wien - Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht eine börsennotierte heimische Immobiliengesellschaft eine Kapitalerhöhung ankündigt. Die auf Gewerbeimmobilien fokussierte Eco Business Immobilien, erst 2003 gegründet, will mittels Börsegang 25 Mio. Euro einsammeln. Meinl European Land will für seine Expansion bei der aktuellen Kapitalerhöhung gar 560 Mio. Euro von den Aktionären holen. Beachtlich, wenn man bedenkt, dass die Gesellschaft im letzten Dreivierteljahr bereits drei Kapitalerhöhungen vollzog.

Die mit Abstand größte heimische Immobiliengesellschaft, Immofinanz, ließ bereits wissen, dass die 312 Mio. des Vorjahres bei der diesjährigen Kapitalerhöhung die Untergrenze sein werden. Nach drei Kapitalerhöhungen im Vorjahr steht beim Zinshausspezialisten Conwert bald die nächste Emission an. Am Donnerstag beschloss die Hauptversammlung eine Kapitalerhöhung um 130 Mio. Euro plus ein genehmigtes Kapital von 82 Mio. Euro.

Experten warnen vor "Platzen der Blase"

Manchen Experten wird schön langsam schwummelig und sie warnen vor dem Platzen einer Blase. Grundsätzlich spricht bei einer Inflationsrate von 2,9 Prozent nichts gegen eine Veranlagung in Immobilien, zumal die Mieten an die Inflationsrate gebunden sind und daher parallel steigen. Allerdings sollten sich die Anleger sehr genau anschauen, was die Gesellschaften mit dem Geld der Aktionäre machen: In Wien beispielsweise werden derzeit historisch wenig Wohnungen und Büros gebaut. Das hat zur Folge, dass die Immo-Firmen ins Ausland (Osten) ausweichen, wo die Preise mitunter bereits höher sind als in Österreich.

Wer sich jährlich mehrmals Kapital über die Börse besorgt, der wächst nicht mehr organisch, der ist nur sehr stark kostenlastig. Einerseits müssen die Kosten für eine Kapitalerhöhung von mindestens fünf Prozent des Emissionserlöses erst verdient werden und andererseits entsteht der Zwang, mit dem Geld rasch Immobilien zu kaufen - mitunter auf Märkten die man nicht kennt. Konservative Immobilieninvestoren veranschlagen zwei bis drei Jahre bis eine Kapitalerhöhung verarbeitet ist. In dieser Zeit wurden die Kosten für die Emission verdaut, man nahm sich Zeit, geeignete Immobilien auszusuchen und erwirbt ein entsprechendes Immobilienportfolio. Karl Wlaschek, Billa-Gründer und seit dem Verkauf der Handelskette erfolgreicher Immobilieninvestor, zeigt, wie organisches Wachstum funktioniert: Er reinvestiert jährlich rund 60 Mio. Euro aus den Immobilienerträgen (nicht aus Kapitalerhöhungen) in neue Projekte wie Garagen oder Wohnungen.

Dass auch vermeintlich sichere Immobilienveranlagungen riskant sein können beweist die Vergangenheit: Beim laufenden WEB-Prozess in Salzburg wurden den Anlegern wertlose Hausanteilsscheine verkauft. Nicht zu vergessen Residenz. Die Immobiliengesellschaft erwarb Anfang der 90er-Jahre die Rössler Bank um sich quasi im eigenen Haus Kredite zu beschaffen, mit denen die Immobilien belastet wurden. Dieser Tage wurde übrigens das Bankhaus Samesch von neuen Eigentümern rund um Conwert-Gründer Günter Kerbler übernommen. Das Institut wird nun eine Spezialbank für Immobilienveranlagungen. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.3.2005)