Wien - Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) hat sich im "Neuen Volksblatt" gegen vorgezogene Wahlen ausgesprochen. Schüssel, seit Samstag längstdienender ÖVP-Parteichef, sieht "keinen Anlass, die Periode zu verkürzen". Der Kanzler lobt trotz der jüngsten Querelen mit der FPÖ in Sachen Sicherheitsgipfel und Asyl den Koalitionspartner.

"Ich würde jedem empfehlen, in der SPÖ die Wortmeldungen von Matznetter bis Broukal, von Öllinger bis Pilz bei den Grünen anzuhören und dann nüchtern zu überlegen, ob das in einer Koalition angenehmer wäre. Die Ergebnisse der Regierung sind, was auch international bestätigt wird, erstklassig".

Auf die Frage, ob er möglichst mit drei Koalitionsoptionen in die nächste Wahl gehen will, meinte Schüssel nur: "Was soll ich mich jetzt mit der nächsten Wahl auseinander setzen". Darauf angesprochen, ob sich ÖVP und SPÖ zuletzt wieder angenähert haben, meinte der Kanzler: "Der mit Michael Häupl vereinbarte Finanzausgleich wurde abgelehnt, zur Abschaffung der Zweidrittelmehrheit bei Schulgesetzen kommen plötzlich Bedingungen, das Ergebnis des Österreich-Konvents wird schlecht geredet. Die SPÖ macht, leider Gottes, auf Bundesebene eine ziemlich radikale, nicht konstruktive Oppositionspolitik".

Und der Kanzler hält weiter unbeirrt an Finanzminister Karl-Heinz Grasser (V) fest. Befragt, ob sich Grasser immer geschickt verhalten habe, antwortete Schüssel mit den Worten: "Karl-Heinz Grasser ist einer der besten Finanzminister, die die Republik je gehabt hat".

Platter: FPÖ "guter Koalitionspartner"

Auch Verteidigungsminister Günther Platter (V) will vom Koalitionsbruch nichts wissen. Es habe "zweifellos eine kurze Zeit der Irritation" mit der FPÖ gegeben, doch seien die Freiheitlichen "ein sehr guter Koalitionspartner", erklärt Verteidigungsminister Günther Platter (V) in den "Salzburger Nachrichten". Neuwahlen seien für die ÖVP "kein Thema".

Was die Wahlchancen der ÖVP betrifft, sagte Platter, bis Herbst 2006 werde sich noch viel abspielen. "Wir haben die Heeresreform durchzuführen und die EU-Präsidentschaft vorzubereiten und abzuwickeln. Was man jetzt sagen kann, ist: die ÖVP ist gut auf dem Weg".

Zum Thema Wehrdienstverkürzung von acht auf sechs Monate sagte Platter, der Koalitionspartner prüfe noch, ob eine gesetzliche Regelung gemacht werden soll. Was den Zivildienst betrifft, hält Platter eine Reduktion von zwölf auf neun Monate für die "absolute Untergrenze".

(APA)