Jerusalem/Amman - Als Zeichen einer weiteren Verbesserung der Beziehungen zwischen Jordanien und Israel trifft der jordanische Außenminister Hani al-Moulki an diesem Sonntag erstmals den israelischen Ministerpräsident Ariel Sharon. Der israelische Rundfunk meldete am Samstag, Moulki werde am Nachmittag zunächst zu Gesprächen mit der palästinensischen Führung in Ramallah erwartet. Anschließend stehen am Abend Treffen mit ranghohen israelischen Politikern auf dem Programm.

Es ist der erste Israel-Besuch eines jordanischen Außenministers seit Beginn der zweiten Intifada vor mehr als vier Jahren. Israel hofft, dass er den Auftakt für eine spätere Visite des jordanischen Königs Abdullah II. darstellt. Ende vergangenen Monats hatte Jordanien seinen Botschafter, der zu Beginn der Intifada aus Protest gegen die israelische Politik in den besetzten Gebieten abgezogen worden war, wieder nach Tel Aviv geschickt.

Freilassung jordanischer Gefangener

Bei Moulkis Gesprächen in Jerusalem soll es unter anderem um die Freilassung von 20 jordanischen Gefangenen gehen, die vor einigen Tagen einen Hungerstreik begonnen hatten. Am Samstagabend trifft der jordanische Minister seinen israelischen Amtskollegen Silvan Shalom, bevor dieser zu einer Reise in die USA aufbricht.

Das jordanische Außenministerium teilte am Samstag mit, Moulki wolle sich bei seinen Gesprächen in Israel und Palästina für eine Wiederaufnahme der Friedensgespräche einsetzen. Der Minister wolle auch auf eine jordanische Beteiligung bei den Gesprächen über eine endgültige Friedensregelung in der Region drängen. Besonders wichtig seien dabei die Themen der künftigen Grenzlinien, der Status Jerusalem, die Flüchtlingsfrage sowie die Wasserverteilung.

Seperatfrieden mit Israel

1994 hatte Jordanien als zweites arabisches Land nach Ägypten einen Separatfrieden mit Israel geschlossen. "In Anerkennung des legitimen Rechts der Palästinenser auf einen unabhängigen Staat" hatte der verstorbene König Hussein im Jahr 1988 die staatsrechtliche Ausgliederung des 1967 von Israel eroberten Westjordanlandes mit Ostjerusalem vollzogen.

Jordanien hatte im Februar vorigen Jahres vor dem Internationalen Gerichtshof (IGH) in Den Haag seinen Standpunkt dargelegt, dass es sich durch den von Israel im Westjordanland errichteten Sperrwahl direkt bedroht fühlt. Die Lebensbedingungen würden für die palästinensische Bevölkerung durch die israelischen Maßnahmen "unerträglich". Dem Königreich drohten dadurch neue Flüchtlingsströme. (APA/dpa)