Heuer, im September, wird Bashar al-Assad das Alter erreichen, das bis zu seinem Amtsantritt vor fünf Jahren als Mindestalter für einen syrischen Präsidenten vorgesehen war: vierzig. Als am 10. Juni 2000 sein Vater, Hafiz al-Assad, starb, wurde in aller Eile eine Verfassungsänderung geschneidert, die das Alter auf genau jene 34 Lenze herabsetzte, mit denen der junge Mann aufwarten konnte. Einen Tag später wurde er vom Oberst zum General und zum Oberbefehlshaber der Streitkräfte befördert, eine Woche später zum Generalsekretär der Baath-Partei.

Und damit in der syrischen Präsidialmonarchie alles seine Ordnung hat, nominierte ihn die Parteiführung für das Präsidentenamt, drei Wochen später wurde "Dr. Bashar", wie ihn die Leute nennen, in einem Referendum mit 97,3 Prozent bestätigt.

Das Erbe seines Vaters hat er trotzdem nicht wirklich angetreten: Mit dem Tod des alten Assad hörte Syrien auf, eine Einmannshow zu sein. Auf die Frage, wie mächtig Bashar eigentlich ist, bekommt man in Syrien viele verschiedene Antworten, ebenso auf die, wie viel Öffnung und Reform er für Syrien will und ob er, wenn er wieder einmal bremst, von der alten Garde, die den Verlust ihrer Pfründe befürchtet, dazu gezwungen wird oder es aus freien Stücken tut. Faktum ist, dass sich viele Menschen in und außerhalb Syriens Großes in puncto Liberalisierung des politischen Systems von ihm erwartet hatten und heute enttäuscht sind. In der Wirtschaft ist mehr weitergegangen.

Bashar, Hafiz al-Assads Zweitgeborener, war ursprünglich nicht für die Politik vorgesehen, er studierte Medizin in Damaskus und spezialisierte sich in London in Augenmedizin, als 1994 sein älterer Bruder Basil bei einem Autounfall starb. Bashar folgte dem Ruf des Vaters nach Hause nicht gerade enthusiastisch, heißt es.

Der Mann mit dem einleuchtenden Spitznamen "Giraffe" ist persönlich offener und lockerer, als dies Bilder von ihm vielleicht annehmen lassen. Wie sein Vater neigt er zu Monologen. Mit seiner sympathischen Frau Asma, die er 2001 heiratete, hat er drei Kinder, das kleinste ist wenige Monate alt. (DER STANDARD, Gudrun Harrer, Printausgabe, 7.3.2005)