Zagreb - Kroatiens Regierung ist laut einem Bericht der Tageszeitung "Novi list" (Montagausgabe) bereit, eine Sonderkommission der Europäischen Union (EU) zu akzeptieren, die die Suche nach dem vor dem Haager UNO-Kriegsverbrechertribunal (ICTY) angeklagten, flüchtigen General Ante Gotovina überwacht. Regierungssprecher Ratko Macek sagte dem Blatt, es gebe viele Möglichkeiten für die EU, die Zusammenarbeit Kroatiens mit dem ICTY zu prüfen. Die volle Kooperation mit der UNO-Justiz ist Voraussetzung dafür, dass die EU-Beitrittsverhandlungen mit Zagreb, wie geplant, am 17. März beginnen.

Breite Zustimmung für Idee

"In der Kooperation mit unseren europäische Partnern gibt es viele Möglichkeiten, die Erfüllung der vollen kroatischen Zusammenarbeit (mit dem UNO-Tribunal) zu begutachten. Eine Möglichkeit wäre eine Sonderkommission der EU, die die Erfüllung aller Verpflichtungen im Verhandlungsprozess beobachtet", so Macek.

Das Blatt verwies auf eine Meldung der Nachrichtenagentur Reuters, wonach Zagreb EU-Mitgliedsländer, die den Beitrittsambitionen Kroatiens wohlwollend gegenüber stehen, bereits über die Idee einer Sonderkommission informiert haben soll. Diese soll an Ort und Stelle beobachten, was die kroatischen Behörden unternehmen, um Gotovina zu fassen. Zu den Ländern, die sich für Kroatien einsetzen, gehören laut Reuters Österreich, Italien und Ungarn. Weiters seien Abgeordnete der Europäischen Volkspartei (EVP) im EU-Parlament für die Idee einer Sonderkommission.

Die Nachrichtenagentur zitierte einen nicht namentlich europäischen Diplomaten in Kroatien, wonach die Beitrittsverhandlungen nach dem Willen Zagrebs beginnen sollen, selbst wenn das UNO-Tribunal den kroatischen Behörden kein einwandfreies Zeugnis ausstellt. "Im Gegenzug soll die EU dann ein Aufsichtsteam entsenden - am wahrscheinlichsten in das kroatische Justizministerium", so der Diplomat. "Novi list" wiederum zitierte einen Diplomaten aus einem der Kroatien gewogenen Staaten: Er glaubt nicht, dass "diese Idee annehmbar wäre", sagte er. (APA)