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Justizministerin Karin Miklautsch, Innenministerin Liese Prokop, Sozialministerin Ursula Haubner Aussenministerin Ursula Plassnik, die Direktorin der Erste Bank Elisabeth Bleyleben Koren, Gesundheits- und Frauenministerin Maria Rauch-Kallat und Bildungsministerin Elisabeth Gehrer, (von links), posieren anlässlich des Internationalen Frauentags für die FotografInnen.
Foto: APA/AP/Zak
Das mit dem Frauentag ist so eine Sache. Einmal im Jahr fühlt sich die weibliche Politik bemüßigt, ein kräftiges Lebenszeichen von sich zu geben. Die Regierung tut das beispielsweise, indem sie ihre Ministerinnen gemeinsam antreten lässt. Die Medien berichten über das Nichtereignis. Und in den Redaktionen wird ein Vertreter der scheinbar betroffenen Minderheit - denn nur Minderheiten machen gemeinhin mit einem Tag auf sich aufmerksam - gebeten, das Ganze zu kommentieren.

Man könnte meinen, dieses seltsame Schauspiel lässt sich nicht weiter steigern. Weit gefehlt. Weil die inhaltliche Basis dieser Inszenierung, nämlich die Frauenpolitik, unter schwarz-blauer Regierung aufgehört hat zu existieren, führt sie den von ihr abgefeierten Frauentag völlig ad absurdum. Was wiederum die politische Symbolik - unfreiwillig - stimmig macht.

Schluss mit dem linken Opferfeminismus

Fünf Jahre Wende haben das Bild der Frauen und das Bild der Politik, die für sie gemacht werden soll, nachhaltig verändert. Die ÖVP-Frauen ließen keinen Zweifel daran, dass ab sofort Schluss sein muss mit dem linken Opferfeminismus, der die allein erziehende Mutter zur Heroin erhob. "Handeln statt jammern" lautet das markige Motto der "Stark.Schwarz.Weiblich"-Epigoninnen, und als ihre politischen Instrumente packten sie nicht Gesetze fürs Kollektiv, sondern Handlungsanleitungen fürs Individuum aus: Vernetzt euch, sucht euch Mentorinnen, streckt euch nach der gläsernen Decke.

Role Models dürfen nicht fehlen

Wenn man Emanzipation als individuelle Angelegenheit definiert, dann lässt sich die Berufung von Frauen auf die Regierungsbank auch als zentrale politische Errungenschaft verkaufen. Keine Sonntagsrede zum Frauenthema verhallt, ohne dass nicht auf das ausgeglichene Geschlechterverhältnis innerhalb der Wolfgang-Schüssel-Familie hingewiesen wird. Auch das ist ein zentrales Element konservativer Geschlechterpolitik: Bereitstellen von Role Models statt gesellschaftlicher Veränderungsanspruch. Dabei wirken die Ministerinnen nicht viel anders als die "Karriereladys" und "Powerfrauen" aus jenen Hochglanzzeitschriften, die Frauen vorgaukeln, Beruf, Karriere und Familie sind zu schaffen. Dass die Frauenbewegung Anfang der 70er-Jahre vor allem mit dieser Doppelbelastung Schluss machen wollte und von Vater Staat und Papa einforderten, ihre Hälfte zu übernehmen, wurde in der Schublade mit der Aufschrift "feministische Anachronismen" verstaut.

Familiensozialismus pur

Stattdessen wird aktuell gerade über einen niedlichen "Papamonat" debattiert. Und niemand soll sagen, dass der schwarz-blaue Vater Staat nicht mehr Verantwortung denn je übernimmt. Schließlich leistet sich Österreich die nach Luxemburg zweitteuerste Familienförderung in Europa. In allen anderen Politikbereichen wird der sozialistische Ansatz gerne als Instrument der Vergangenheit verteufelt, mit dem Kindergeld, das in Wahrheit ein "Müttergeld" ist, herrscht Familiensozialismus pur. Die Politik hat sich entschieden, die Wahlfreiheit der "Nichtkarriereladys" und "Nichtpowerfrauen" kräftig und dauerhaft staatlich zu alimentieren. Dazu kommt noch ein großzügiger Alleinverdienerabsetzbetrag.

Weil in Österreich, ähnlich wie in Deutschland, der Hausfrauenkomplex stark ist, der mütterliche Berufstätigkeit nur bei Strafe schwerer Selbstvorwürfe zuzulassen scheint, fällt das Kindergeld als Rabenmutterprämie auch auf ideologisch fruchtbaren Boden.

Der Wahrheit zuliebe...

Jede/r Volkswirtschaftsstudent/in im ersten Studienabschnitt kann die Folgen einer solchen Politik herunterbeten: Der Anreiz für den Wiedereinstieg kommt spät und ist gering, die Frauenquote bleibt unterdurchschnittlich niedrig, weibliches Humankapital bleibt ungenützt.

Als "Frauenpolitik" getarnter, am Alleinverdienerpatriarchat orientierter "Familiensozialismus" und Frauenzeitschriftenrhetorik für die wenigen, übrigen "Powerfrauen": Die Ministerinnen sollten den Frauentag 2006 der Wahrheit zuliebe als Familien- und/ oder Superfrauentag begehen. (D ER S TANDARD , Print-Ausgabe, 8.3. 2005)