Omar Al-Rawi, Wiener SP-Gemeinderat und Integrationsbeauftragter der Islamischen Glaubensgemeinschaft (IG), übt heftige Kritik an Innenministerin Liese Prokop (V) - die sich für ein Kopftuchverbot für moslemische Lehrerinnen an österreichischen Schulen ausgesprochen hat. "Das ist ein Schlag ins Gesicht muslimischer Frauen, und das ausgerechnet am Internationalen Frauentag", meinte er gegenüber der APA.

Gerade Österreich sei bisher Vorbild für den Umgang mit Muslimen in Europa gewesen. Die "unglückselige Debatte" über ein Kopftuchverbot, wie es sie in Deutschland oder Frankreich gegeben habe, sei hier nie geführt worden.

Rein rechtlich sei es "völlig sinnlos" ein derartiges Verbot zu diskutieren, zeigte sich Al-Rawi überzeugt. Auch sei nicht die Innenministerin, sondern das Bildungsministerium dafür zuständig.

Muslimische Frauen mit Kopftuch sind laut Al-Rawi am Arbeitsmarkt "ohnehin oft diskriminiert". Wenn diese nun auch als Religionslehrerin nicht mehr arbeiten könnten, würde das einen Rückzug ins Private zur Folge haben. Gerade Bildung und Beruf seien aber zwei wichtige Komponenten bei der Emanzipation von Frauen, betonte Al-Rawi.

Er befürchte zudem ein Ausweichen von Lehrerinnen - aber auch von Schülern - in konfessionelle Schulen: "Dort bleibt man unter sich, aber das ist nicht das, war wir wollen." (APA)