Salzburg - In etwas mehr als drei Wochen werden Salzburgs Bürger zu den Urnen gerufen. Sie sollen Auskunft geben, ob sich die Landeshauptstadt für die Austragung der Olympischen Winterspiele 2014 bewerben soll.

Die Meinungseinholung läuft in zwei Etappen: Am Sonntag, 3. April, sind alle Stimmberechtigten in Stadt und Land aufgefordert, an einer Volksbefragung teilzunehmen. An diesem Sonntag beginnt auch eine separate, einwöchige Bürgerbefragung in der Stadt. Diese war mit einer Unterschriftenaktion der parteifreien Gemeinderätin Elisabeth Promegger erzwungen worden. Der Prüfbericht des Kontrollamtes der Stadt Salzburg über die Gebarung bei der gescheiterten Bewerbung für die Spiele 2010 dürfte zum Termin der beiden Voten vermutlich noch nicht vorliegen.

Stadt-Land-Gefälle

Die landesweite Befragung wurde von SP und VP vor allem mit Blick auf die nach Umfragen eher gedämpfte Stimmung in der Stadt Salzburg angesetzt. Am Land dürfte die Zustimmungsquote weit größer sein als in der potenziellen Host-City Salzburg. Dort dürften die Skeptiker die Nase leicht vorne haben. Bei einer ähnlichen Volksbefragung 1997 zur Bewerbung für 2006 stimmten bei einer Wahlbeteiligung von rund 30 Prozent landesweit über drei Viertel für die Kandidatur.

Die Ergebnisse der Voten sind für die Politik rechtlich nicht bindend. Eine "politische Bindung" gebe es allerdings schon, meinte Landeshauptfrau Gabi Burgstaller vergangene Woche in einem STANDARD-Interview. Sie will vor allem das Gesamtergebnis des Landes bewertet wissen, nicht nur das Stadtergebnis.

Auch der Präsident des Österreichischen Olympischen Komitees (ÖOC), Leo Wallner, misst dem Ergebnis große Bedeutung bei. Die Befragung sei wichtig, damit man wisse, "ob die Bevölkerung dahinter steht oder nicht". Wenn das Ergebnis negativ sei, dann könne er "eine Diskussion innerhalb des ÖOC nicht ausschließen".

Olympi-Ja

Die Befürworter der Bewerbung haben ihre Kampagne unter das Motto "OlympiJa" gestellt. Zentrale Argumente sind der hohe Werbewert der Bewerbung und im Fall des Zuschlages für 2014 im Juli 2007 die Chance auf zusätzliche Infrastrukturprojekte sowie "über 3000 Vollzeitarbeitsplätze". Der Gewinn soll rund 120 Millionen Euro betragen.

An der Spitze der Gegner mit dem Slogan "NOlympia" steht die Bürgerliste. Sie argumentiert mit den enormen Kosten für die öffentliche Hand, dem Finanzloch in Athen oder in Turin, dem Haftungsrisiko für die Stadt sowie mit ungelösten Umwelt- und Verkehrsproblemen. Anfang der Woche hat sich zudem eine eigene Bürgerinitiative "für verantwortungsvolle Politik" gebildet. Sie will mit privat finanzierten Inseraten gegen "hochriskante Events zur Vertuschung der eigentlichen Probleme des Landes" auftreten. (neu, DER STANDARD Printausgabe, 09.03.2005)