Wien - Als eine "Schande für Österreich" hat Gesundheits- und Frauenministerin Maria Rauch-Kallat die eugenische Indikation in der österreichischen Abtreibungsgesetzgebung bezeichnet. Das berichtet Kathpress am Dienstag in einer Aussendung.

Laut dem 1975 in Kraft getretenen Paragrafen 97 des Strafgesetzes ist eine Abtreibung u.a. dann straffrei, wenn sie binnen der ersten drei Schwangerschaftsmonate vorgenommen wird oder wenn u.a. "eine ernste Gefahr besteht, dass das Kind geistig oder körperlich schwer geschädigt" ist.

Die Äußerung Rauch-Kallats sei am Montagabend im "Club Alpha" bei der Diskussion zum Thema "30 Jahre Fristenregelung - wohin geht der Weg?" gefallen, nachdem die Generalsekretärin der "Aktion Leben"-Österreich, Gertraude Steindl, den fehlenden Dialog der politischen Parteien zum Thema Abtreibung bedauert hatte. Sie schlug ein Treffen von PolitikerInnen aller Parteien vor mit dem Ziel, Bedingungen zu schaffen, die auch in schwierigen Situationen ein Ja zum Kind ermöglichen.

Gescheiterte Versuche

Frauenministern Maria Rauch-Kallat hält diesen nach wie vor für schwer realisierbar. Vernünftige in allen Parteien gebe es zwar, diese würden aber in den eigenen Reihen keine Unterstützung finden: "Wir dürfen hier keine Illusionistinnen sein". Sobald ein Vorschlag von der einen Seite gemacht werde, behaupte die andere Seite, man wolle Frauen bestrafen. An solchen Vorurteilen sei bisher auch der Versuch gescheitert, die eugenische Indikation zu streichen. Trotzdem gebe es, so Rauch-Kallat, auch Erfolge zu vermelden: Das Gesundheits- und Frauenministerium arbeite derzeit an einer Initiative, mit Schwangerschaftstests auch Informationen über Beratungsstellen weiterzugeben.

"Materialisierte Sicht von Kindern"

Die Kinderärztin Marina Marcovich meinte, sie beobachte in den 30 Jahren seit der Einführung der Fristenregelung eine veränderte Wahrnehmung des "Wunders Mensch", ausgelöst durch die Entwicklungen in der Fortpflanzungsmedizin und Genetik. Es gebe eine zunehmend "materialisierte" Sicht von Kindern. Diese spiegle sich auch in vorgeburtlichen Untersuchungen, die Kinder "vermessen". Dem Druck der Schwangerschaftsüberwachung könnten sich Frauen heute kaum entziehen. Gertraude Steindl äußerte die Hoffnung, dass sich Frauen dies nicht gefallen lassen. (red)