Madrid - UN-Generalsekretär Kofi Annan will heute zum Abschluss der Konferenz in Madrid eine Strategie zur internationalen Terrorismusbekämpfung vorstellen. Laut bekannt gewordenen Auszügen seiner Rede will Annan dabei einen "starken Appell" an die internationale Gemeinschaft richten, sich auf eine klare Terrorismusdefinition zu einigen. Mehr als 200 bei der Tagung versammelte Fachleute wollen zudem einen Empfehlungskatalog für das Vorgehen gegen Terrorismus verabschieden.

Warnung vor Einschränkung der Demokratie

Delegierte haben am Mittwoch davor gewarnt, beim Kampf gegen den Terrorismus die Demokratie einzuschränken. "Die demokratischen Staaten müssen den Terrorismus bekämpfen, ohne auf das zu verzichten, was sie sind - nämlich Demokratien", sagte der frühere französische Premier Lionel Jospin am Mittwoch in der spanischen Hauptstadt. Der Ex-Ministerpräsident von Rumänien, Petre Roman, betonte: "Man kann die terroristische Gewalt auch ohne eine Einschränkung bürgerlicher Freiheiten und Rechte bekämpfen."

Unter den Teilnehmern des Gipfeltreffens zu "Demokratie, Terrorismus und Sicherheit", an dessen Ende ein gemeinsamer Leitfaden zur Terrorbekämpfung verabschiedet werden soll, befinden sich der spanische Regierungspräsident José Luis Zapatero, EU-Außenbeauftragter Javier Solana sowie UN-Generalsekretär Kofi Annan. Aus den spanischen Nachbarländern in Nordafrika reisen der marokkanische König Mohamed VI. und der algerische Staatspräsident Abdelaziz Bouteflika an. Die arabische Liga ist durch Generalsekretär Amr Musa vertreten.

Nicht auf der Teilnehmerliste ist José María Aznar, der vor einem Jahr, als radikale Islamisten mit ihren Bomben auf vier Pendlerzüge 192 Menschen töteten und über 2000 Menschen verletzten, noch als spanischer Premierminister im Amt war.

7000 Polizisten

Prinz Felipe von Asturien und seine Frau Leticia eröffneten die Konferenz. Der spanische Thronfolger gedachte in seiner Rede der Opfer des Terrorismus und forderte die Teilnehmer auf, "die internationale Zusammenarbeit zu verstärken". Die Schlussrede am Donnerstag wird Spaniens König Juan Carlos I. halten.

Madrid gleicht dieser Tage einem Heerlager. Über 7000 Polizisten rückten anlässlich der internationalen Konferenz aus, um die Stadt zu sichern. In der Kaserne einer Panzereinheit vor den Toren Madrids sowie im hauptstädtischen Militärflughafen wurden Luftabwehrraketen stationiert, um den Luftraum zu schützen. Außerdem stellte die Nato ein Awac-Aufklärungsflugzeug zur Verfügung. Der Flugverkehr wird während der Konferenz stark eingeschränkt. Auch im restlichen Land werden wichtige Einrichtungen besonders intensiv bewacht werden. (red/APA/dpa/DER STANDARD, Printausgabe, 9.3.2005)