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"Eigentlich gibt es keine Vereinten Nationen. Es gibt nur eine internationale Gemeinschaft und die kann nur von der einzigen verbleibenden Supermacht, den Vereinigten Staaten, geführt werden." So John R. Bolton im Jahr 1994. Und später: "Wenn das UNO-Gebäude in New York zehn Stöcke verlöre, würde das nicht den geringsten Unterschied machen."

Auch nach seiner Nominierung für den Posten des US-Botschafters bei der UNO durch Präsident George W. Bush scheint der 56-jährige Neokonservative seine Meinung nur marginal geändert zu haben: "Amerikanische Führung ist entscheidend für die UNO", sagt er und sieht darin eine letzte Chance für die umstrittene internationale Organisation.

Eine Reihe von konservativen Republikanern preist Boltons Nominierung als klugen Schachzug der Bush-Regierung und sieht Parallelen mit der historischen Reise von Richard Nixon nach China: Außenministerin Condoleezza Rice erklärte, die besten Botschafter bei der UNO seien jene "mit der stärksten Stimme" gewesen.

Die Demokraten bewerten Boltons Nominierung allerdings rundum negativ: "Eine enttäuschende Wahl, die die falschen Signale sendet", "eine Belastung für die internationalen Beziehungen", und "die Antipathie Boltons gegenüber der UNO könnte ihn daran hindern, seinen Job wirkungsvoll auszufüllen", so lauten die ersten Reaktionen.

Als Bolton im Jahr 2001 für den Posten des Vizeaußenministers für Rüstungskontrolle bestätigt wurde, stimmten 43 Demokraten im Senat gegen ihn. Es wird erwartet, dass Bolton bei den im kommenden Monat stattfindenden Hearings heftige Kritik zu erwarten hat - auch aus den eigenen Reihen. Sogar der republikanische Vorsitzende des Außenausschusses, Richard Lugar, hat sich bisher geweigert, eine positive Stellungnahme abzugeben.

Bolton wurde im November 1948 in Baltimore geboren und besuchte vor seinem Eintritt in die Diplomatie, wo er verschiedene Regierungsposten unter Ronald Reagan und George Bush senior innehatte, die prestigereiche Yale University. Bolton wird allgemein als Protegé von Vizepräsident Dick Cheney angesehen.

Der als "Falke aller Falken" betrachtete Hardliner war auch wesentlich an dem Rückzug Washingtons vom Internationalen Strafgerichtshof beteiligt. Den Tag, an dem er den Brief mit dem Rückzug der Unterschrift für den Vertrag unterzeichnete, sieht er "als den glücklichsten Augenblick in meinem Dienst für die Regierung". Er war auch einer der Architekten der - bisher erfolglosen Kampagne - gegen Mohamed ElBaradei, den Generaldirektor der Internationalen Atombehörde in Wien.

John Bolton ist verheiratet und lebt bei Washington: in Vienna, Virginia. (Susi Schneider/DER STANDARD, Printausgabe, 9.3.2005)