Wien - Über eines kann sich der Wiener Hafen derzeit wirklich nicht beklagen: über mangelndes Geschäft. Umsatz und Gewinne schwimmen obenauf; das Containergeschäft konnte im Vorjahr um 30 Prozent gesteigert werden - "die vorhandenen Kapazitäten werden zu über 100 Prozent ausgelastet", erklärte Wiener-Hafen-Chef Walter Edinger am Dienstagvormittag.

Wie das geht? Um alle Aufträge abwickeln zu können, musste ein Areal des Autoterminals zugezogen werden. Bei den Übersee-Container-Lieferungen nach Ostösterreich hält der Wiener Hafen derzeit bereits einen Marktanteil von 85 Prozent.

Um die Situation weiter verbessern zu können, sollen bis 2008 gemeinsam mit den ÖBB insgesamt 140 Millionen Euro in den Ausbau der Infrastruktur investiert werden, kündigten Vizebürgermeister Sepp Rieder (SP) und Wiener-Holding-Geschäftsführer Erik Hanke am Dienstag an.

Terminal und Brücke

In den nächsten vier Jahren wird im Hafen Freudenau der Terminal erweitert. Dazu wird die Winterhafenbrücke errichtet - als Lückenschluss zwischen der Donauufer- und der Donauländebahn. 2008 dann noch die geplante Verlegung der Bundesstraße B14 - in Summe kommen alleine diese Investitionen auf insgesamt 72 Millionen Euro. Fast die gleiche Summe wird in weitere Projekte wie den Hochwasserschutz, den Bau einer neuen Schüttgutanlage oder die Anschaffung eines neuen Hafenkrans investiert.

Offen ist derzeit noch der geplante Anschluss von Hafen Freudenau und Hafen Albern an die neue Umfahrungsstraße S1. "Wir sind seit über einem Jahr mit der Errichtungsgesellschaft Asfinag in Diskussion", erläutert Edinger im STANDARD-Gespräch. "Natürlich ist es wichtig, dass beide Standorte einen direkten Anschluss bekommen - für uns wäre eine Anbindung direkt an den Knoten Schwechat ideal." Aber auch die vergangene Woche neu präsentierte Variante mit einer direkten Verbindung zwischen Donauufer- und Flughafenautobahn (A22 und A4) eröffnet neue Möglichkeiten.

Die Bilanz, die Vizebürgermeister Sepp Rieder am Dienstag vorlegte: Der Wiener Hafen steigerte im Geschäftsjahr 2004 den Umsatz um acht Prozent auf 37,9 Millionen Euro - der Gewinn wuchs sogar um 14 Prozent auf 6,4 Millionen Euro an.

86.000 Neuwagen

Die umgeschlagene Gütermenge im gesamten Areal inklusive der 120 dort ansässigen Firmen stieg um eine Million auf zehn Millionen Tonnen. Der Anteil der Wiener Hafengruppe: 3,6 Millionen Tonnen, was einem Plus von neun Prozent entspricht. Dazu kommt: Mehr als 86.000 Neuwagen werden jährlich über den Autoterminal im Wiener Hafen verteilt - das sind rund 30 Prozent aller nach Österreich importierten Neuwagen.

Steigerungen auch bei einer 50-Prozent-Beteiligung des Hafens, der DDSG Blue Danube. Wurden 2003 noch 262.000 Tickets verkauft, waren es 2004 bereits über 273.000. Weiters brachten 3350 internationale Schiffe 162.000 Besucher auf dem Wasserweg nach Wien. (frei, DER STANDARD Printausgabe, 09.03.2005)