Kurt Kotrschal

Beinahe unbemerkt von der Öffentlichkeit bahnt sich eine der größten Rückschläge für den ohnehin seit langem vernachlässigten Wissenschafts-und Forschungsbereich in Österreich an. Mit fassungsloser Bestürzung erfuhr ich aus den Medien über Pläne der neuen Bundesregierung, das Jahresbudget des "Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung" (FWF) von etwa 800 auf 600 Millionen S zu kürzen. Dies würde nicht nur dem Regierungsprogramm diametral widersprechen, welches eine Anhebung der in Österreich im Vergleich zum europäischen Ausland ohnehin unterentwickelten Finanzierung von Wissenschaft und Forschung vorsah; damit würde vor allem der Forschung in Österreich, und darüber hinaus der geistigen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung unseres Landes großer Schaden zugefügt.

Qualitativ hochwertige Grundlagenforschung in Österreich ist auf die Finanzierung durch den FWF angewiesen. Die Steigerungen der Hochschulbudgets der letzten Jahre flossen vor allem in die Verwaltung, kamen aber kaum der Wissenschaft und Lehre zugute.

Verschärft wird die Situation noch dadurch, dass der "Jubiläumsfonds der Österreichischen Nationalbank" seine Förderungstätigkeit für weite Bereiche der Grundlagenwissenschaften im Sommer 1999 einstellte, ohne dass Ersatz geschaffen worden wäre. Der staatlich dotierte FWF finanziert nicht nur als einzige heimische Institution in nennenswertem Ausmaß Grundlagenforschung, er tut dies auch im Einklang mit den internationalen Standards leistungs- und qualitätsorientiert, unabhängig, relativ unbürokratisch, rasch und effizient.

Die Zuteilung der Projektmittel erfolgt über Antrag, welcher dann anonym von KollegInnen aus dem Ausland begutachtet wird. Gefördert wird nur Qualität, ein erheblicher Teil der Förderungsanträge wird aus Qualitätsgründen, teilweise leider auch aus Mangel an Mitteln zurückgewiesen. Gerade diese Institution finanziell auszuhungern, und sei es auch nur für wenige Jahre, kann nur als wissenschaftspolitische Katastrophe bezeichnet werden. Es ist daran zu erinnern, dass die Grundlagenwissenschaften in mehrfacher Hinsicht die Basis für Anwendung und wirtschaftsrelevante Verwertung bilden. Einerseits entspringen neue Konzepte und Prinzipien immer nur der Grundlagenforschung, andererseits ist hochklassige Wissenschaft unverzichtbar, erstklassigen Nachwuchs auszubilden. Dafür wird ganz besonders die Projektfinanzierung durch den FWF dringendst benötigt, zumal aufgrund der verfehlten Hochschulpolitik des letzten Jahrzehnts beinahe alle Stellen mit pragmatisierten KollegInnen besetzt sind. Dass auch ich zu diesen gehöre, ändert nichts an der Tatsache, dass dieses System dem Nachwuchs keine Chance mehr bietet.

Sollten die Mittel des FWF nicht aufgestockt, sondern gekürzt werden, dann wird Österreich eine weitere Generation hervorragender Wissenschaftler verlieren; der seit längerem anhaltende brain drain wird sich verstärken.

"Aushungern" droht

Was das auf die Dauer für Wissenschaft und Forschung, für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung in Österreich bedeutet, braucht nicht im Detail erörtert zu werden. Es ist daher an alle Verantwortlichen zu appellieren, nicht die Zukunft von Österreichs Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft kaputtzusparen und den FWF nicht weiter auszuhungern. Um die heimische Grundlagenforschung entsprechend ihrer Leistungsfähigkeit angemessen zu finanzieren, wären sicherlich gut über eine Milliarde Schilling pro Jahr nötig, die geplanten Kürzungen auf 600 Millionen sind wissenschaftspolitisches Harakiri. So kann man Österreich sicherlich nicht in die geistige Mitte Europas führen.
a.Univ. Professor Dr. Kurt Kotrschal, Direktor der Konrad-Lorenz-Forschungsstelle für Ethologie, Grünau/Almtal