Wien - Die Forderung von Innenministerin Liese Prokop (VP) nach einem Kopftuchverbot für muslimische Lehrerinnen außerhalb des Religionsunterrichts sorgt weiter für Diskussionen. Die SPÖ kritisiert den Vorstoß, während der Ring freiheitlicher Jugendlichen ihn begrüßt. Insgesamt nimmt die soziale Akzeptanz des Kopftuchs in Österreich ab, diagnostiziert die Internationale Helsinki Föderation für Menschenrechte (IHF) in einer neuen Untersuchung.

Rechtlich gesehen kann es zumindest bei Beamtinnen allerdings zu einer Kollision zweier Grundsätze kommen, wie Rechtsanwalt Alfred Noll im Vorjahr bei einem STANDARD-Montagsgespräch klarstellte. Verbietet man das Kopftuch, wird die Religionsfreiheit verletzt. Andererseits haben Beamte bei ihrer Dienstausübung eine Neutralitätspflicht - wogegen das Kopftuch wiederum verstoßen würde. Eine Meinung, die jedoch bei anderen Juristen auf Widerspruch stößt.

Christliche Frauen müssen übrigens bei jedem Gebet ebenfalls ihr Haupt bedecken, um sich nicht mit Schande zu beladen - stellt zumindest Paulus in seinem ersten Brief an die Korinther klar. (moe/DER STANDARD, Printausgabe 10.03.2005)