Die Wählerstruktur der FPÖ war in den letzten beiden Jahrzehnten von Wechselwählern geprägt - von Leuten, die Jörg Haider von anderen Parteien weglocken konnte, aber auch von Wählern, die von Haider vertrieben wurden. Diese zweite Gruppe ist lange weniger beachtet worden, weil es bis 1999 eine immerhin positive Bilanz des Wähleraustauschs gab.

Nach fünf Jahren in der Bundesregierung ist das anders. Die FPÖ-Wählerschaft ist kleiner, aber nicht überschaubarer geworden: Da gibt es einerseits die "ideologischen Tiefwurzler", wie sich Andreas Mölzer selber gerne sieht, eine bei näherem Hinsehen allerdings auch wieder recht vielfältige Gruppe aus traditionsverbundenen Nationalen und bürgerlich-antiklerikalen Liberalen.

Dann gibt es die Protestwähler, die ein starkes Unbehagen verspüren, weil sie sich von Migranten und Kriminellen, vom eigenen Chef und überhaupt von "denen da oben" bedroht fühlen - aber "die da oben" sind eben seit fünf Jahren (auch) die Freiheitlichen; deren dritte Gruppe dann auch pragmatisch den einmal eingeschlagenen Regierungskurs halten will.

Wirklich zusammenhalten kann man diesen Haufen nur, wenn man die inhaltlichen Unterschiede herunterspielt und gleichzeitig Erfolg ausstrahlt - wie das Haider jahrelang vorgeführt hat: Auch in der Oppositionszeit haben sich Enttäuschte massenweise abgewendet, aber es sind eben mehr Wähler dazugekommen. Zuletzt, 2002, hat dann die ÖVP viele dieser Enttäuschten auffangen können. Und man wird den Eindruck nicht los, dass in der Volkspartei mit gewisser Häme darauf gewartet wird, dass da noch ein paar weitere Freiheitliche kommen.

Andererseits: Viele können es nicht mehr sein - und manche, gerade vom jetzt gescholtenen nationalliberalen Flügel, werden den Weg zur christlichsozialen ÖVP auf keinen Fall antreten. (DER STANDARD, Printausgabe, 10.3.2005)