Wien - Mit Präsidenten- und Parlamentswahlen versucht die Zentralafrikanische Republik am kommenden Sonntag einen entscheidenden Schritt zurück zur Demokratie zu machen. Im März 2003 marschierten Rebellen, die bereits einen Teil des Landes kontrollierten, in der Hauptstadt Bangui ein und vertrieben Präsident Ange-Felix Patasse nach mehr als neun Jahren aus dem Amt. General Francois Bozize, Kommandant der Aufständischen und ehemals Armeechef, übernahm dessen Stelle. Nun tritt Bozize gegen zehn andere Kandidaten an, um sich möglicherweise bei einem Wahlsieg durch das Volk als Präsident legitimiert zu sehen.

Der Umsturz Bozizes wurde von der Mehrheit der Zentralafrikaner begrüßt. Im Zuge eines Übergangsprozesses arbeiteten das Kabinett und der Nationale Transitionsrat (CNT), ein Übergangsparlament, eine neue Verfassung aus. Dabei kam es zu schwerwiegenden Konflikten zwischen den beiden Gremien. Schließlich setzte sich der CNT durch: Die Vollmachten des Präsidenten wurden eingeschränkt; die Position des Premierminister sowie des Parlaments gegenüber dem Staatsoberhaupt gestärkt. Die Amtszeit des Präsidenten wurde von vormals sechs auf fünf Jahre verkürzt, wobei eine einmalige Wiederwahl möglich ist.

Bei einem Referendum im vergangenen Dezember hießen 87,2 Prozent der Wähler die neue Verfassung gut. Der Urnengang und das spätere Zusammentreten der Volksvertretung sollen den Abschluss des Übergangsprozesses bilden.

Allerdings hatte das zentralafrikanische Verfassungsgericht Ende des Vorjahres nur fünf von zwölf Kandidaten, die sich beworben hatten, zur Präsidentenwahl zugelassen. Unter anderem wurde der im Exil in Togo lebende und in seiner Heimat per Haftbefehl wegen Mordes und der Veruntreuung gesuchte Ex-Präsident Patasse von der Wahl ausgeschlossen.

UNO appelliert an politische Kräfte

In der heftigen Debatte um die Zulassung der Kandidaten sahen sich die Vereinten Nationen genötigt, an die politischen Kräfte zu appellieren, den Wahlprozess zu retten. Erst am 23. Jänner unterzeichneten die politischen Gruppen des Landes ein Abkommen, das die Krise beendete. Nunmehr sind alle ursprünglichen Kandidaten zugelassen - mit Ausnahme Patasses. Der Wahltermin war mehrmals verschoben worden.

Neben Bozize (58) selbst kandidieren Ex-Armeechef Andre Kolingba (Zenralafrikanischer Demokratischer Verband/RDC), der 1981 putschte und Staatsoberhaupt blieb, bis er 1993 Patasse bei Wahlen unterlag, und Bozizes 79-jähriger Ex-Premier Abel Goumba (Patriotische Front für den Fortschritt/FPP), der Ende 2003 Vizepräsident wurde. Hinzu kommen die Ex-Premiers Jean-Paul Ngoupande (Nationale Einigkeitspartei/PUN) und Martin Ziguele (parteilos) sowie Ex-Minister Charles Massi (Demokratisches Forum für Modernität/FODEM) aus dem Lager des früheren Präsidenten Patasse. Weiters treten die Ex-Minister Jean-Jacques Demafouth (parteilos), Auguste Boukanga (Union für die demokratische Erneuerung/URD) und Olivier Gabirault (Allianz für Demokratie und Fortschritt/ADP) an, ferner der Anwalt und Menschenrechtsaktivist Henri Pouzere sowie der Pastor Josue Binoua.

Die ZAR ist eine Präsidialrepublik. Das Parlament (Nationalversammlung) besitzt eine Kammer mit 109 Sitzen. Der Staat gehört zu den ärmsten der Erde: Ein Zentralafrikaner muss im Durchschnitt mit 260 US-Dollar (201 Euro) pro Jahr auskommen. Auf Grund der großen Verbreitung von Aids liegt die Lebenserwartung unter 40 Jahren. (APA/Reuters)