Von der Wetterprognose über Modelle der Gesteinsbildung und -verschiebung bis zur Simulation eines Bienenstockes - mit Hilfe des Computers lassen sich komplexe naturwissenschaftliche Phänomene darstellen. An der Universität Graz wird mit Beginn des Herbstsemesters ein österreichweit neues Studium angeboten, das die Grundlagen der Naturwissenschaften (Physik, Chemie, Life Sciences und Geowissenschaften) mit angewandter Computertechnologie und Mathematik verbindet.

"Computational Sciences"

Angeboten wird das Studium "Computational Sciences" als sechssemestriges Bakkalaureat und darauf aufbauendem viersemestrigen Magisterstudium. Durch die Modellierung und daraus folgende Simulation von Phänomenen kann man für reale Systeme Eigenschaften berechnen, die mit konventionellen experimentellen Methoden schwer oder gar nicht zu erhalten sind. Für die Nachbildung derartiger Prozesse sind Experten notwendig, die naturwissenschaftliche Vorgänge für den Computer "übersetzen" können und so Bindeglied zwischen Forschung und Informatik sind. Daraus ergebe sich auch das spätere Berufsfeld der Absolventen: Sie seien sowohl in Software-Firmen als auch in großen Forschungsgruppen als Kommunikatoren einsetzbar, so der Vize-Vorsitzende der Curricula-Kommission, Gundolf Haase, im APA-Gespräch.

Breites Spektrum

"Studierende erwerben eine profunde Ausbildung in naturwissenschaftlicher Informatik. Denn der Einsatz des Computers wird in der Simulation von Abläufen immer wichtiger und ersetzt gewohnte Experimente", beschreibt Alexander Sax, Vorsitzender der Curricula-Kommission, das Studienziel. Der Chemiker unterstreicht den interdisziplinären Aspekt und das breite Spektrum des Studiums: "Es vermittelt Grundlagen von Chemie, Physik, Biowissenschaften, Geowissenschaften, Mathematik sowie der Computerwissenschaft. Das Innenleben eines Computers ist nur im Zusammenhang interessant, wie man ihn für das Lösen naturwissenschaftlicher Probleme nutzen kann."

Mathematik sollte kein Horror aein

"Wir gehen von 25 Studienanfängern aus", sagte Haase. Empfehlen würde er das Studium jungen Leuten, die sich für die Naturwissenschaften "und insbesondere für die dahinter steckenden Mechanismen" interessieren. Mathematik sollte ihnen "nicht unbedingt ein Horror" sein, so Haase. Fähigkeiten auf Niveau des Computerführerscheins werden vorausgesetzt. Wer sich für das Studium entscheidet, dem wird in den ersten beiden Semestern auch entgegengekommen: "Die Uni stellt leihweise Laptops zur Verfügung", so Haase. Man suche allerdings noch immer nach entsprechenden Sponsoren.(APa)