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Für 2005 wird für Österreichs Apotheken ein Nullwachstum erwartet

Foto: APA/ZB/Jens Wolf
Wien - "Die Situation der österreichischen Apotheken ist schwierig. Etwa 170 der kleinen Apotheken wurden an den Rand der Wirtschaftlichkeit gedrängt. Die Situation der Österreichischen Apotheken ist gerade noch tragbar", so charakterisierte am Donnerstag Apothekerkammer-Vizepräsident Leopold Schmudermaier, auch Wirtschaftssprecher der Standesvertretung, die Lage.

Das Jahr 2004 war demnach durch die mit 1. Jänner in Kraft getretenen Spannenkürzungen bei Apotheken und Pharma-Großhandel durch zusätzliche Belastungen geprägt.

Österreicher schlucken wenig Medizin

Die Gesamtsituation laut Apothekerkammerpräsident Herbert Cabana: "Faktum ist, dass der Arzneimittelverbrauch in Österreich unter dem EU-Schnitt ist. Die Arzneimittelpreise sind deutlich unter dem EU-Durchschnitt. Österreich ist kein Land der 'Pillenschlucker'."

So wurden im Jahr 2004 in Österreich pro Einwohner und Jahr 21,8 Arzneimittelpackungen verbraucht (Frankreich als Spitzenreiter: 49,2; Deutschland: 20,2; Niederlande: 14,6). Der Durchschnittspreis eines Medikaments betrug im vergangenen Jahr in Österreich exklusive Mehrwertsteuer 12,24 Euro (Niederlande: 18,9 Euro; Deutschland: 16,33 Euro; Frankreich 7,86 Euro; Großbritannien 7,40 Euro).

1172 Apotheken in Österreich

Mit 31. Dezember 2004 gab es in Österreich 1.172 öffentliche Apotheken, um 173 mehr als zehn Jahre davor. Cabana: "Jeder Österreicher zahlt im Jahr für die Apothekenleistung rund 70 Euro. Damit sind wir (in Europa, Anm.) im Mittelfeld."

Die per Verordnung festgelegten Spannen für die Apotheken von durchschnittlich 29,1 Prozent auf Medikamente nehmen sich in einem Branchenvergleich der KMU-Forschung Austria gering aus. Der Fotohandel wird darin mit einer Handelsspanne von 55,1 Prozent an oberster Stelle gereiht, der Bekleidungshandel hat eine von 41,3 Prozent, die Drogerien Parfümerien eine Marge von 40,1 Prozent. Nach den Apotheken folgen nur noch die Gemischtwarenhändler (25,6 Prozent).

170 Apotheken wurden von der Kammer unterstützt

Das vergangene Jahr - die österreichischen Apotheken wurden durch die bisher größte Spannenkürzung mit 45 Mio. Euro belastet - war für viele Betriebe ausgesprochen schwierig. Schmudermaier: "Die durchschnittliche Apotheke hatte einen Umsatz von 1,9 Mio. Euro. Das kalkulatorische Betriebsergebnis (abzüglich 72 Prozent Warenkosten, 13,9 Prozent Personalaufwand, 7,2 Prozent kalkulatorischer Zusatzkosten inkl. des Gehalts eines Apothekenleisters und 5,8 Prozent sonstiger Aufwände) betrug ein Prozent. Das war eine Verringerung gegenüber dem vorangegangenen Jahr um 15 Prozent." 170 Apotheken mussten mit Unterstützungen der Kammer für Urlaubsvertretungen, Nacht- und Sonntagsdienste finanziell entlastet werden.

Die reine Umsatzentwicklung bei einem Gesamtumsatz der österreichischen Apotheken von rund 2,4 Mrd. Euro im vergangenen Jahr sieht triste aus. 2003 betrug der Zuwachs weniger als drei Prozent beim Kassenanteil. 71,5 Prozent des Umsatzes werden mit Kassenrezepten gemacht. Vor allem die höheren Rezeptgebühren sorgen für einen etwas größeren Umsatzanstieg bei den Privatverkäufen, da immer mehr Medikamente billiger als die Rezeptgebühr werden.

Für dieses Jahr ist bei den österreichischen Apothekern einstweilen Nullwachstum angesagt. Der Leiter der Kammer-Wirtschaftsabteilung: "Im Jänner 2005 hatten wir einen Umsatzrückgang um 2,5 Prozent beim Kassenanteil, im Februar einen Anstieg um drei Prozent." (APA)