Bild nicht mehr verfügbar.

Grafik: APA
Wien - So wie es derzeit aussieht, wird 2005 das fünfte Jahr in Folge, in dem sich Österreichs Wirtschaft nicht markant erholt und konjunkturell gesehen eine "Seitwärtsbewegung" vollführt. Im Vergleich zur letzten Wifo-Prognose vom Dezember kann es heuer nach unzähligen Negativ-Meldungen aus dem gesamten Euroraum eigentlich nicht besser werden als 2004. "Ja, man kann nur dieser Ansicht sein", bestätigt Wifo-Experte Marcus Scheiblecker.

Zwar haben die Investitionen und Exporte im Vorjahr kräftig angezogen, doch der private Konsum liegt darnieder. Die Wachstumsrate des Privatkonsums lag nur bei 1,5 Prozent. "Das ist nichts für einen Aufschwung", so Scheiblecker. In wirtschaftlichen Aufschwungphasen liegt der Zuwachs beim Privatkonsum typischerweise in einer Größenordnung von 3,5 bis 4,0 Prozent.

Sparsamkeit so hoch wie noch nie

Nach einer neuen Erhebung des Linzer Spectra-Institutes, das seit 1992 monatlich die Spar- und Konsumneigung von 1000 Österreichern und Österreicherinnen abfragt, ist die Sparsamkeit in der Bevölkerung derzeit so hoch wie zuletzt im Jänner des Jahres 1998. Damals erklärten 50 Prozent der Befragten, sie seien beim Geldausgeben zurückhaltender. Im heurigen Jänner erklärten 51 Prozent, sie gingen in letzter Zeit sparsamer mit dem Geld um.

Gepaart mit einer gehörigen Portion an allgemeinem Wirtschaftspessimismus - 34 Prozent haben den Eindruck, dass es mit der österreichischen Wirtschaft in nächster Zeit "eher abwärts" gehen wird -, erwarten die Spectra-Meinungsforscher auch keine rasche Änderung der allgemeinen Konsumzurückhaltung.

Schwacher Abschluss

Insgesamt steht nach Vorliegen der Daten für das Schlussquartal des Vorjahres fest: 2004 ist Österreichs Wirtschaft um zwei Prozent gewachsen. Das ist zwar deutlich dynamischer als im Jahr 2003 (plus 0,8 Prozent), doch im letzten Quartal 2004 hat sich diese Dynamik bereits wieder merklich eingebremst.

Hatte im zweiten und dritten Quartal 2004 die Wachstumsrate zum jeweiligen Vorquartal noch 0,8 Prozent betragen, fiel sie im Schlussquartal auf 0,3 Prozent zurück. In Aufschwungphasen der Vergangenheit lagen die Quartalswachstumsraten stets deutlich über einem Prozent.

Neben dem lahmen Privatkonsum sind der neuerlich steigende Ölpreis und die Abflachung der Weltkonjunktur die Hauptgründe für den Pessimismus der Wirtschaftsforscher. Die Opposition kritisiert in diesem Zusammenhang auch das Auslaufen der Investitionsförderung.

Bei der letzten Prognose im Dezember revidierte das Wirtschaftsforschungsinstitut die erwartete Wachstumsrate für das Jahr 2005 bereits von 2,5 auf 2,2 Prozent nach unten. Am 31. März wird die neue Wifo-Prognose veröffentlicht - eine Reduktion auf rund zwei Prozent wird allgemein erwartet oder befürchtet, je nach Sichtweise.

Scheiblecker: "Heuer sind keine zusätzlichen Wachstumsimpulse zu erwarten. Die Hoffnung ruht auf 2006." (Michael Bachner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.3.2005)