Dresden - Für eines der am wenigsten wieder verwertbaren Teile der Computerelektronik haben Dresdner Wissenschaftler einen umweltfreundlicheren Ersatz gefunden: Auf der Expo 2000 in Hannover stellen sie eine recyclingfähige Leiterplatte vor. Die als TWINflex bezeichnete Platine besteht aus einer hauchdünnen Folie und wird bereits bei einer baden-württembergischen Firma in Serie produziert. Nach Angaben der Technischen Universität fallen in Deutschland pro Jahr rund 75.000 Tonnen Leiterplatten-Müll an. Bei den herkömmlichen Typen lässt sich die Mischung aus Metallen und Kunststoff nur mit großem Aufwand und in verunreinigter Form in die Ausgangsstoffe zurückführen, wie der Leiter des Forschungsprojekts, Professor Günter Röhrs, berichtet. Zudem werden ihnen bei der Herstellung problematische Halogenverbindungen beigemengt, die die Entflammbarkeit verhindern, bei falscher Entsorgung aber hochgiftige Chemikalien freisetzen. Mit der neuen Platine wird all dies vermieden. «Wir haben bei dieser Platine wahnsinnig viel Material eingespart», sagt Röhrs. Nach seinen Worten kommt die 0,1 bis 0,2 Millimeter starke Folien-Leiterplatte mit 20 Prozent des herkömmlich verwendeten Materials aus. Sie wird auf einen beliebigen Träger aufgebracht und lässt sich per Hand wieder abziehen. Der Träger kann dann nach der Nutzung wieder verwendet werden. Die Folie selbst besteht aus Polyamid, das zu Granulat zermahlen und wieder eingesetzt werden kann. Der Kupferanteil lässt sich bei Bedarf in einem chemischen Verfahren mit einem Reinheitsgrad von 99,5 Prozent herausfiltern. Der Folien-Kunststoff verträgt Temperaturen bis zu 300 Grad Celsius, «weshalb wir keine flammhemmenden umweltfeindlichen Materialien mehr benötigen», wie Röhrs sagt. Die Erfindung könnte nach seiner Ansicht auch die Entwicklung elektronischer Baugruppen revolutionieren. Denn bisher findet die Leiterplatte ihre Grenzen in der Größe der Werkzeuge, die benötigt werden, um die Löcher zu bohren, durch die die Leitungen miteinander verbunden werden. Bei der Folie könnten feinste Löcher aber entweder bereits bei der Herstellung erzeugt oder später mit Laserstrahlen geschossen werden, sagt Röhrs. Noch ist die Folien-Platine in der Herstellung teurer als herkömmliche Leiterplatten. Röhrs zeigt sich aber überzeugt, dass mit steigendem Bedarf und wachsenden Stückzahlen die Kosten verringern. Außerdem forschen er und seine Arbeitsgruppe weiter an der Verbesserung ihrer Erfindung. (AP)