Die Telekom Austria (TA) soll eine neue Struktur bekommen. Schon im Herbst des Vorjahres haben Aufsichtsrat und Vorstand vereinbart, dass das Unternehmen unter einer neuen Holding in eine Festnetz- und eine Mobilfunkgesellschaft geteilt werden soll. Über die Details sind die vier Vorstände aber dem Vernehmen nach noch uneinig. Die Staatsholding ÖIAG , mit 25 Prozent größter TA-Einzelaktionär, hat bis zur nächsten Aufsichtsratssitzung am kommenden Dienstag eine gemeinsame Absichtserklärung verlangt. Beschlossen werden soll die Neustrukturierung bei der Hauptversammlung am 25. Mai.

Konzeption

Nach dem derzeitigen Plan - mitentwickelt vom Beratungsunternehmen Stern Stewart - soll aus der neuen Telekom Austria Holding AG der Festnetzbereich als GmbH abgespalten und die Mobilkom, bisher eine eigene Aktiengesellschaft, ebenfalls als GmbH eingegliedert werden.

Trennung

Hintergrund soll weniger ein getrennter Verkauf der Bereiche sein. Die derzeit weitgehend eigenständige Mobilkom ließe sich jetzt sogar leichter verkaufen. Vielmehr soll es um die Beseitigung von Parallelstrukturen gehen. Eine zusätzliche neue Servicegesellschaft unterhalb der Holding soll die bisher ungenutzten Synergien zwischen Mobilfunk und Festnetz künftig besser nützen.

Umstrukturierungen im Telekom-Bereich sind derzeit gang und gäbe. Auch die Deutsche Telekom hat erst zu Jahresbeginn eine Neuorganisation eingeleitet. Im Gegensatz zur Telekom Austria wollen sich die Deutschen aber nicht nach der Technologie ausrichten, sondern nach dem Kunden - das Großkundengeschäft wird dort etwa zur Gänze in der Tochtergesellschaft T-Systems zusammengefasst.

Freistellung

Auch bei der Telekom Austria hätte der Eigentümer dem Vorstand eine vollständige Integration der Bereiche Festnetz und Mobilfunk freigestellt. Das sei jedoch an den Differenzen im Vorstand gescheitert. Während sich Generaldirektor Heinz Sundt und Finanzchef Stefano Colombo als Vorstände einer neuen starken Holding eine Ausweitung ihres Einflusses erhofften, würden Festnetzchef Rudolf Fischer und vor allem Mobilkom-Chef Boris Nemsic durch die Eingriffsmöglichkeiten der Holding einen Machtverlust befürchten, heißt es aus Managementkreisen.

ÖIAG-Vorstand Peter Michaelis soll den vier Vorständen diese Woche damit gedroht haben, deren Verträge nicht zu verlängern, wenn es zu keiner Einigung komme. Alle vier Verträge laufen im nächsten Monat aus. Der Aufsichtsrat hat zwar schon vergangenen Oktober die Verlängerung auf jeweils zwei Jahre für Sundt und Colombo und je fünf Jahre für Fischer und Nemsic beschlossen. Unterschrieben seien die neuen Verträge aber noch nicht, soll Michaelis in einer Sitzung gedroht haben. Der Vorstand selbst wollte dazu auf APA-Anfrage keine Stellungnahme abgeben.

Absegnung

Der TA-Aufsichtsrat wird kommenden Dienstag auch die Bilanz 2004 absegnen. Analysten gehen davon aus, dass die TA im Vorjahr ihren Nettogewinn weiter deutlich gesteigert hat. Die Bandbreite aus 24 Schätzungen reicht von 161,6 bis 223 Mio. Euro. 2003 hatte die TA einen Nettogewinn von 134,2 Mio. Euro erreicht.

Auch im Betriebsergebnis (EBIT) gehen die Börsianer von einer deutlichen Verbesserung auf 421,0 bis 466,9 Mio. Euro (2003: 369,8 Mio. Euro) aus, das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) soll von 1,51 Mrd. Euro auf 1,52 bis 1,58 Mrd. Euro steigen. Beim Umsatz erwarten die Analysten zwischen 3,94 und 4,09 Mrd. Euro. 2003 waren die TA-Erlöse bei 3,97 Mrd. Euro gelegen. (APA)