Wien - Die derzeitige Verkehrsplanung Wiens werde in einer Sackgasse enden, steuere man nicht rechtzeitig gegen, betonte am Freitag Verkehrsexperten der Technischen Universität Wien in einer Pressekonferenz. Unter dem Titel "G'scheit unterwegs in Wien" präsentierten Hermann Knoflacher, Josef Michael Schopf und Thomas Macoun ihre Vorstellungen von einer "intelligenten und mobilitätssparenden Stadtentwicklung und Raumordnung" für die Bundeshauptstadt.

Der Ausbau von Hochleistungsstraßen wie der S1, der S2 und der A5 werde zu einem Speckgürtel um Wien bei gleichzeitigem Verfall der Strukturen führen, wurde betont. "Die SCS gäbe es ohne die Südautobahn nicht", erklärte Knoflacher. Und: "Das Greißlersterben hängt unmittelbar mit dem Verkehr zusammen", unterstrich er den Zusammenhang zwischen Verkehr und Stadtentwicklung. Eine zukunftsorientierte Verkehrspolitik bewirke hingegen einen Stärkung der bestehenden Stadtstruktur mit Verdichtungen in den bestehenden Wiener Bezirken, insbesondere auch im Süden und Südwesten.

Sammelparkgaragen gefordert

Knoflacher plädierte für eine wirksame Parkraumumorganisation in Wien. Denn: Die Maßnahmen, die beispielsweise in der von Wien in Auftrag gegebenen "Shell-Studie" angeführt würden, seien wesentlich wirkungsloser als dort angenommen. "Die Politik hat gerne die Maßnahmen, die sie sich wünscht und sucht sich auch dementsprechend die Experten aus", kritisierte der Verkehrsexperte. Er sprach sich für Sammelparkgaragen aus, um die Straßen von parkenden Autos zu befreien. "Man muss aber so viel Platz machen, dass die Leute oben mehr Lebensqualität bekommen", meinte Knoflacher.

Seit dem Jahr 1990 seien die Emissionen in Wien um 60 Prozent gestiegen, statt zu sinken, unterstrich auch Schopf. "Mit den Maßnahmen der Shell-Studie erreicht man ein Einfrieren der Emissionen auf den derzeitigen Stand". Folge die Bundeshauptstadt allerdings den Vorschlägen der TU-Experten, könne eine Abnahme um ein Drittel der Emissionen erreicht werden.

Er und seine Mitarbeiter hätten keine finanzielle Unterstützung für ihre Forschungen bekommen, meinte Knoflacher schließlich. "Am besten fährt man im Windschatten der Lobbys mit", erklärte er. "Aber das ist eine Frage der Ethik, eine Frage des Ruhig-Schlafen-Könnens". (APA)