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Die Lufthansa möchte die Swiss übernehmen, AUA-Chef Sörensen droht mit Veto.

Foto:AP/Ruetschi
Frankfurt/Wien – Die andauernden Finanzprobleme der Schweizer Fluglinie Swiss– Nachfolgegesellschaft der Pleite gegangenen Swissair könnten bald zu Ende sein. Aus Schweizer wie deutschen Bankenkreisen verlautete am Freitag, Übernahmeverhandlungen zwischen Lufthansa und Swiss seien nahezu abgeschlossen, der Kauf sei "faktisch beschlossene Sache". Die Aktien beider Unternehmen reagierten mit kräftigen Kursgewinnen auf die Meldungen. Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber und Swiss- Chef Christoph Franz seien sich weitgehend einig über eine Fusion, berichtete das Handelsblatt unter Berufung auf Konzernkreise. Die exklusiven Gespräche seien weit gediehen, die Übernahme werde wohl innerhalb von vier Wochen angekündigt, berichtete die Financial Times Deutschland und berief sich auf Finanzkreise.

Da Fusionen in der national geprägten Luftfahrt wegen der komplizierten Streckenrechte allerdings als schwierig gelten, erwarteten Branchenexperten eine Fusion frühestens im Herbst 2005, hieß es. Die Unternehmen lehnten einen Kommentar ab. Swiss-Chef Franz hielt sich auf der Bilanzpressekonferenz bedeckt. Eine Partnerschaft wäre für Swiss generell eine interessante Perspektive, aber der Schwerpunkt liege auf dem Konzernumbau und der Rentabilität. "Wir müssen als erstes schau en, das Unternehmen in die schwarzen Zahlen zu führen und aus eigener Kraft am europäischen Markt zu bestehen."

Ob Swiss "Teil eines größeren Verbundsystems wird, ist eine Frage, die sich mit Sicherheit stellen wird", fügte er an.

AUA-Veto gegen Beitritt

Gegen einen Beitritt der Swiss in die Star-Alliance der Lufthansa und AUA wird es allerdings heftige Widerstände der AUA geben. Bereits im Juli 2004 sagte AUA-Chef Vagn Sörensen, will wolle einen Beitritt der Swiss zur Star Alliance rund um die Lufthansa blockieren. "Es wäre mir nicht angenehm, aber ich müsste es tun", sagte er in einem Interview mit der Schweizer Wirtschaftszeitung Cash. Laut Sörensen könnte die AUA allein den Swiss-Beitritt mit einem Veto verhindern. "Für die Star Alliance brächte die Swiss keinen Mehrwert. Um es noch expliziter zu sagen: Ihr zusätzlicher Beitrag wäre zu gering." Aus AUA-Unternehmenskreisen erfuhr der Standard, dass sich seit diesem Interview an der Position der AUA nichts geändert hätte. Inwieweit eine Übernahme Lufthansa-Swiss ohne den Beitritt der Swiss zum Bündnis Sinn machen würde, ist unklar.

Die Lufthansa stand bereits 2003 vor einer Übernahme der Swiss, die aber nach langen Verhandlungen der konkurrierenden Oneworld-Allianz den Vorzug gab. Ein halbes Jahr später jedoch scheiterte auch der Beitritt zu der von British Airways geführten Luftfahrtkooperation, weil Swiss ihre Kundendatei nicht offen legen wollte. Daraufhin häuften sich wieder Gerüchte über eine Fusion mit der Lufthansa. Die Schweizer Regierung, mit 20 Prozent größter Swiss-Aktionär und nach dem Zusammenbruch der Swissair maßgeblich an der Entstehung der Nachfolgefirma beteiligt, hatte bereits 2004 für eine Kooperation oder Fusion mit Lufthansa plädiert. "Ein Zusammenschluss würde Sinn machen. Nichtsdestotrotz hat Swiss eine Menge zu tun, um die Kosten zu senken, bevor eine Allianz möglich ist", sag te Analyst Jochen Rothenbacher. (DER STANDARD Printausgabe 12.03.2005)