Wien - "Wir müssen die Verhältnismäßigkeit wieder herstellen." Georg Mündl (40) weist die Darstellung zurück, T-Mobile halte Geld aus dem Vertrag mit der Fußball-Bundesliga zurück. Aber der Vertrag sei aus dem Gleichgewicht geraten, sagt er, und darüber werde geredet. Mündl ist seit einigen Monaten in Österreich Marketingdirektor des Handynetz-Betreibers, der sich 1998 unter seinem alten Namen max.mobil der Liga als Sponsor anschloss. Die Verträge mit den TV-Sendern Premiere und ATVplus (statt ORF) zeitigen also für die Liga die erste Anpassungsarbeit.

Liga-Vorstand Georg Pangl sieht den Konsens keineswegs gefährdet, auch wenn Mündl den Werbewert seines Unternehmens im Vergleich zum Vorjahr "um rund 30 Prozent" geringer wähnt. "Entweder der Wert erhöht sich", sagt Mündl, "oder wir reden über Maßnahmen". Das kann bedeuten: weniger Geld für die Liga, was die ohnehin mit dem letzten Cent rechnenden Klubs freilich kaum zulassen dürften. Oder "das Verschieben von Dingen", wie Mündl sagt, der "viele Dinge nicht so eindimensional sehen will".

Die Initiative des Netzbetreibers stehe nicht wie anderweitig kolportiert in Zusammenhang mit den heftigen Rationalisierungen bei T-Mobile, die in Deutschland rund 2000 und hier zu Lande rund 150 Menschen den Arbeitsplatz kosteten. Mündl: "In Deutschland wächst der Markt noch, in Österreich ist schon der Brutalowettbewerb." Auch die Marketingmaßnahmen für Österreich würden laut Mündl keineswegs in Deutschland entschieden, das sei ein paar Mal passiert, habe aber aufgehört. "Wir sind ein multinationales Unternehmen, das zusammenwächst, die Zentralisierung hat sich nicht als letzte Weisheit erwiesen."

Als max.mobil (ab 2002/03 als T-Mobile) 1997/98 die erste Werbewerterhebung durchführte, lautete der Gegenwert rund sieben Millionen Euro, in der Saison 2003/04 wurde ein Wert von wenig mehr als 17 Millionen Euro errechnet. Nach 21 Runden kommt T-Mobile auf knapp unter acht Millionen Euro (Angaben der Bundesliga). Allerdings, so Pangl, seien die Zahlen nur bedingt vergleichbar, denn T-Mobile habe Ende der vergangenen Saison heftig zugekauft, etwa "Drei-D-Tücher" neben den Toren, sodass der Werbewert in die Höhe schoss. Echt vergleichen könne man nur die Werte, die aus den vertraglich vereinbarten Leistungen resultieren. Genau diese Zahlen waren nicht eruierbar, ob aus verhandlungstaktischen oder aus arbeitstechnischen Gründen, bleibe dahingestellt.

Grundsätzlich stellt Mündl das Engagement im Fußball nicht infrage. Es sei immer schwieriger, die Bedeutung "guter Geschichten" zu steigern. Ob der Wettskandal eine gute, weil Aufsehen erregende Geschichte sei? Mündl, der Diplomat: "Als Marketingmanager bin ich nicht unglücklich, als Bürger empört." (Johann Skocek - DER STANDARD PRINTAUSGABE 12./13.3. 2005)