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Das glückliche österreichische Team nach dem Zieleinlauf.

Foto:Reuters/Bader
Hochfilzen - Bronze für das ÖSV-Quartett! Österreichs Biathleten haben am Samstag in Hochfilzen nach bisher schwachen Resultaten die Überraschung geschafft und mit der ersten Staffel-Medaille der Geschichte die Weltmeisterschaften aus heimischer Sicht "gerettet". So oft hatten die Österreicher in der Vergangenheit mit Fehlern im letzten Schießen mögliche Top-Resultate verpatzt, doch im 4 mal 7,5-km-Bewerb passte vor rund 15.000 Zuschauern einfach alles. Daniel Mesotitsch, Fritz Pinter, Wolfgang Rottmann und Christoph Sumann eroberten ohne Strafrunde Rang drei hinter Olympiasieger Norwegen und Russland.

Zitterpartie bis zum letzten Schießen

Der Staffelsieg in Hochfilzen 1999, einer von bisher nur drei im Weltcup, galt als leuchtendes Beispiel - sechs Jahre später stand endlich ein ÖSV-Quartett auch auf dem WM-Podest. "Wir haben gewusst, dass die Staffel unsere größte Chance ist, aber es war eine Zitterpartie bis zum letzten Schießen", erklärte ÖSV-Sportdirektor Markus Gandler. Und Walter Mayer konnte als Cheftrainer trotz eingestandener Mängel in der Vorbereitung doch noch die Früchte ernten. "Hätten wir nicht diese Defizite die zu Tage getreten sind, dann wäre ein zweites Ramsau möglich gewesen", erklärte der "unersättliche" Weltmeister-Coach der Langlauf-Staffel 1999.

Diesmal war den ÖSV-Biathleten im Finish das Glück hold. Als Schlussläufer Sumann mit 25 Sekunden Rückstand auf die drittplatzierten Norweger das Rennen aufnahm, schien das Podest für die Österreicher außer Reichweite zu sein. Nach dem ersten Schießen betrug der Rückstand auf Bronze trotz makelloser Leistung noch 29 Sekunden und als der Steirer zum abschließenden Stehend-Schießen kam, fieberte auch ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel am Schießstand mit. Mit "Hej"-Rufen stimmte der ÖSV-Chef in den Chor der Fans nach jedem Treffer ein.

Weißrussland in der Strafrunde

Sumann traf präzise, während der Weißrusse Oleg Ryschenkow Nerven zeigte, nach dreimaligem Nachladen in die Strafrunde musste und am Ende 15,9 Sekunden Rückstand auf den Österreicher hatte. "Ich habe mir das ganze Jahr über vorgestellt, wie es sein könnte, als Schlussläufer um eine Medaille zu kämpfen. Ein Traum ist in Erfüllung gegangen", jubelte Ex-Langläufer Sumann. "Die ganze letzte Runde war unbeschreiblich und die Zielgerade war Gänsehaut pur!"

Seine Kollegen hatten die Vorarbeit zur besten Platzierung bei einem Großereignis nach Rang vier bei den Winterspielen 1988 geleistet. Startläufer Mesotitsch musste stehend zwei Mal nachladen ("Der Puls war zu niedrig, ich habe zu zittern begonnen und Atemnot gehabt"), übergab aber als Dritter an den WM-Debütanten Pinter. Der Kärntner musste den starken Norweger Stian Eckhoff passieren lassen, nach einer makellosen Schießleistung lag er im Ziel als Vierter 17,6 Sekunden hinter den Medaillenrängen. "Läuferisch war ich nicht ganz zufrieden, aber im Schießen habe ich es super erwischt. Das taugt mir voll, denn der Druck war sehr groß, alle haben von der letzten Chance geredet", freute sich Pinter über das erste Edelmetall.

Wertvollste Medaille

Rottmann war im liegenden Anschlag gewohnt stark und meisterte auch das Stehend-Schießen mit nur einmaligem Nachladen. Nach den fünf Fehlschüssen im Sprint war diese Leistung eine besondere Genugtuung. "Endlich haben wir es auch im Wettkampf rüber gebracht, diese Medaille bedeutet mir sehr viel", sagte der Einzel-Weltmeister von 2000. "Sie ist fast noch mehr wert wie das Gold von Oslo, weil es eine Medaille für das ganze Team ist, für die Athleten, Wachsler und Trainer", meinte der Salzburger, der in den Tagen zuvor mit einem Interview viel Staub aufgewirbelt hatte.

Norwegen, in Salt Lake City vergoldet, jubelte über den ersten WM-Titel seit 1967. "Diese Medaille wollten wir unbedingt gewinnen", meinte Superstar Ol Einar Björndalen, der mit fehlerloser Schussleistung den Russen Sergej Tschepikow um 26,0 Sekunden auf Distanz hielt. (APA)

Ergebnisse von den Biathlon-Weltmeisterschaften in Hochfilzen am Samstag:

4 x 7,5 km, Herren: 1. Norwegen 1:21:59,2 Std./0 Strafrd. (Halvard Hanevold, Stian Eckhoff, Egil Gjelland, Ole Einar Björndalen) - 2. Russland + 26,0 Sek./0 (Sergej Roschkow, Nikolai Kruglow, Pavel Rostowtsew, Sergej Tschepikow) - 3. Österreich 43,3/0 (Daniel Mesotitsch, Friedrich Pinter, Wolfgang Rottmann, Christoph Sumann) - 4. Weißrussland 59,2/1 - 5. Frankreich 1:45,2 Min./0 - 6. Deutschland 1:59,1/2 - 7. Schweden 3:12,0/1 - 8. Polen 3:31,8/1