Lugano - Auf die Synagoge sowie auf ein Kleidergeschäft einer jüdischen Familie im schweizerischen Lugano sind in der Nacht zum Montag offenbar zwei Brandanschläge verübt worden. Verletzt wurde niemand, doch entstand hoher Sachschaden. Die Feuer seien fast sicher vorsätzlich gelegt worden, erklärte die Tessiner Kantonspolizei.

Der Brand in der Synagoge breitete sich nach Feuerwehrangaben in der Bibliothek an der Rückseite des Gebäudes explosionsartig aus und richtete hohen Schaden an. Ein Nachbar alarmierte die Feuerwehr, nachdem er eine Explosion gehört und die Flammen gesehen hatte. Die Feuerwehr ging mit Atemschutzgeräten vor, um die Flammen zu bekämpfen. Es gelang ihr, ein Übergreifen der Flammen auf den Gebetsraum der Synagoge zu verhindern.

Zum Zeitpunkt des Brandausbruchs hielt sich niemand in der Synagoge auf. Der Präsident der jüdischen Gemeinde von Lugano, Elio Bollag, zeigte sich entsetzt über den Anschlag, der für ihn völlig überraschend und unerwartet gekommen sei.

Wenig später brannte es in einem Stoff- und Kleidergeschäft, das weniger als einen Kilometer von der Synagoge entfernt liegt. Das Feuer brach im Zugang zum Hinterhof aus, wo sich das Warenlager befindet. Auch dort griffen die Flammen vom Magazin aus rasch auf das ganze Geschäft über. Der Feuerwehr gelang es, ein Übergreifen der Flammen auf die benachbarten Bars und Geschäfte in dem alten Gebäude zu verhindern. Die Besitzerfamilie vermutete einen Zusammenhang mit dem Feuer in der Synagoge. Sie seien Mitglieder der jüdischen Gemeinde von Lugano. Die Anschläge seien völlig überraschend gekommen, weil es keine Vorwarnungen oder Drohungen gegeben habe. (APA/AP)

Bestürzung herrschte auch beim Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund (SIG). Die Vertreter der jüdischen Gemeinden konnten sich nicht daran erinnern, dass je in der Schweiz ein Brandanschlag auf eine Synagoge verübt wurde.