Lugano - Nach den Anschlägen in Lugano haben die Schweizer Ermittler am Dienstag einen antisemitischen Hintergrund nicht ausgeschlossen. Nach Angaben der Feuerwehr wurde eine zerbrochene Flasche mit Brandbeschleuniger in der Synagoge gefunden. Dagegen bestätigten die Ermittler aber nicht einen Bericht des Tessiner Radios, wonach in dem Geschäft einer jüdischen Familie, das in der Nacht zum Montag ebenfalls Ziel eines Anschlags war, mit Benzin getränkte Arbeitshandschuhe gefunden wurden.

Der Präsident des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds, Alfred Donath, erklärte in einem Interview mit der Boulevardzeitung "Blick", der Antisemitismus in der Schweiz allgemein zugenommen. Sollte sich der Verdacht auf einen antisemitischen Hintergrund in Lugano bestätigen, wäre dies der schlimmste Übergriff der letzten Jahre in der Schweiz.

Angriffe auf die jüdischen Gemeinden seien in der französischen Schweiz am häufigsten. Dort sei es alleine in den letzten Monaten zu 35 zum Teil gewalttätigen Übergriffen gekommen, erklärte Donath. Auch Vertreter christlicher Kirchen und des Islams äußerten sich empört über die Tat.

Die jüdische Gemeinschaft im Tessin zählt heute noch rund 350 Mitglieder, wobei die Tendenz abnehmend ist, wie deren Präsident Elio Bollag sagte. Die erste Synagoge entstand 1915 in Lugano, in einem Untergeschoss in der heutigen eleganten Einkaufsstraße via Nassa im Herzen der Altstadt. Im Jahr 1958 wurde die neue Synagoge in Molino Nuovo gebaut. Vor einigen Jahren war sie Opfer antisemitischer Sprayereien und Hakenkreuzen. (APA/AP)