Graz - Die ÖBB setzen die neuen "Desiro"-Dieseltriebwagenzüge ab dieser Woche im Nahverkehr auf der steirischen Ostbahn ein. Dies teilten die ÖBB am Montag mit. Die ÖBB-Personenverkehr AG und das Land Steiermark wollen damit mehr Qualität ins rollende Material bringen. Das Investitionsvolumen von insgesamt 38,4 Mio. Euro wird je zur Hälfte vom Land Steiermark und von der ÖBB-Personenverkehr AG getragen. Der Grüne Verkehrssprecher Peter Hagenauer kritisierte die Einführung ohne die entsprechenden Begleitmaßnahmen: Der Zug könne seine Vorteile nicht nützen, weil mit den drei nötigen Betriebsausweichen eine Minimalinvestition nicht vorgenommen wurde.

Montagvormittag startete der erste von insgesamt 16 steirischen Desiro-Triebzügen im Grazer Hauptbahnhof mit dem Ziel Szentgotthard in Ungarn. In der ersten Phase übernehmen die von der Siemens SGP Verkehrstechnik gefertigten Desiros mehrere Nahverkehrsleistungen zwischen diesen beiden Stationen und sollen dabei ältere Fahrzeuge ersetzen. Die Vorgangsweise soll in der Folge auch auf der Thermenbahn und auf der Strecke von Spielfeld/Strass nach Bad Radkersburg fortgesetzt werden.

Offen und großzügig

Der Innenraum des für 120 km/h ausgelegten Fahrzeuges ist offen und großzügig gestaltet. "Wir erarbeiteten gemeinsam mit den ÖBB die technischen Anforderungen und die Ausstattungsmerkmale für die Fahrzeuge, um so speziell auf die Kundenbedürfnisse eingehen zu können", so LHStv. und Infrastrukturlandesrat Leopold Schöggl (F). Zusätzlich zum Einsatz der Desiros erfolge noch heuer die Verbesserung der Haltestelleninfrastruktur entlang der steirischen Ostbahn. Dabei werden die Bahnsteigkanten auf eine Höhe von 38 Zentimeter für einen noch leichteren Zugang zum Zug umgebaut.

Betriebsausweichen verschoben

Der schon lange geforderte Ausbau auf der Ostbahn wurde im kürzlich vorgestellten Rahmenplan des Verkehrsministeriums auf den Zeitraum 2013 bis 2019 um Jahre zurück gestellt, kritisierte der Grüne steirische Verkehrssprecher Hagenauer. Auch der Bau von drei Betriebsausweichen um rund 36 Mio. Euro, die die Züge beschleunigt hätten, wurden verschoben. Das wäre im Österreich-Vergleich eine Kleininvestition gewesen, das hätte Verkehrsminister Hubert Gorbachs (F) Budget nicht durcheinander gebracht, so der Grüne. Er äußere zwei Kritikpunkte: "Ein neuer Zug ist dazu da, damit die Qualität auf der Strecke steigt. Dazu ist es notwendig, die seit acht Jahren versprochenen Betriebsausweichen zu bauen, damit der Zug seine Vorteile wie Schnelligkeit ausspielen kann. Dieser muss aber im Gegenteil stehen bleiben, um den Gegenzug abwarten", kritisierte Hagenauer. (APA)