Wien - Kaum ist das Theater um die Verlängerung der Telekom-Vorstandsverträge vergessen, bringt sich die teilstaatliche Telekom Austria (TA) mit Querelen um eine neue Konzernstruktur ins Rampenlicht.

Kern der Auseinandersetzung, die intern als "munteres jeder gegen jeden" skizziert wird, ist der von TA-Aufsichtsratspräsident und ÖIAG-Vorstandssprecher Peter Michaelis im Herbst erteilte Auftrag, eine neue Struktur für den größten heimischen Telekomkonzern zu entwickeln.

Inoffizielle Vorgabe für das macht- und unternehmenspolitisch heikle Unterfangen: Die TA tunlichst in eine Holding umzubauen, in der Fest- und Mobilnetzgeschäft maximale Autonomie haben, aber gleichzeitig möglichst viele Synergien gehoben werden können.

Wie Generaldirektor Heinz Sundt, Finanzvorstand Stefano Colombo, Mobilkom-Chef Boris Nemsic und Festnetz-Vorstand Rudolf Fischer diesen Spagat schaffen wollen, ohne sich dabei in die Wolle zu kriegen, das beobachten Aufsichtsratsmitglieder mittlerweile amüsiert.

Riss quer durchs Management

Fest steht bereits vor der Aufsichtsratssitzung am Dienstag: Der Riss quer durch das Management, der in den vergangenen drei Jahren mehrmals mühsam gekittet worden war und nun tunlichst nicht wieder aufgerissen werden sollte, ist tiefer denn je.

Die Ursache dafür sehen Kapitalvertreter nicht so sehr im möglichen Machtverlust bei den operativen Chefs Nemsic und Fischer respektive in der Aufwertung von Sundt und Colombo als Holding-Duo, sondern vielmehr in den schwammigen bzw. mangelhaften Vorgaben der TA-Hauptaktionärin ÖIAG (25 Prozent).

"Spart keinen Cent"

Weder sei klar, ob am Ende ein integrierter Telekomkonzern herauskommen soll, noch ob die Einzelteile leicht filetier- und verkaufbar sein sollen, kritisiert ein Aufsichtsratsmitglied, das nicht genannt werden will. "Was da abläuft, spart keinen Cent, verschreckt dafür aber die Investoren."

Was Aufsichtsräte am "Memorandum of Understanding", auf das sich der Vorstand als kleinsten gemeinsamen Nenner am Donnerstag geeinigt haben soll, besonders irritiert: Für den Ertragsbringer Mobilkom ist zwar eine "Wireless-Holding" in Form einer Aktiengesellschaft vorgesehen, das internationale Geschäft, das noch heuer um bulgarische Mobiltel und serbische Mobtel erweitert werden soll, ist aber nicht Teil dieses Mobilfunkarms.

"Nicht Fisch, nicht Fleisch"

Die Neuerwerbungen sollen laut den im Vorfeld der Aufsichtsratssitzung durchgesickerten Plänen nämlich direkt an die Holding gehängt, aber operativ von der Mobilkom-Austria-Gruppe betreut werden.

Um trotzdem Kosten zu sparen, soll an das Holding-Dach eine Servicegesellschaft für Konzernfunktionen wie Einkauf, Verrechnung, Controlling, Datenverarbeitung und Personalwesen angehängt werden. "Das ist nicht Fisch und nicht Fleisch", ätzt ein TA-Rat.

Vorstandsverträge als Druckmittel

Ob die als Druckmittel kolportierte Weigerung der ÖIAG, dem TA-Management neue Vorstandsverträge auszustellen, tatsächlich das Zeug hat, als Katalysator für eine Einigung zu wirken, darf indes bezweifelt werden. Denn formal wurde dem Vierervorstand die Verlängerung bereits schriftlich zugesagt.

Offen ist de facto nur, ob Nemsic am 1. April tatsächlich Stefano Colombo als Generaldirektor-Stellvertreter ablösen wird. Denn Colombo gestanden die TA-Räte im Herbst - ebenso wie Heinz Sundt - nur eine zweijährige Verlängerung zu.

Zeitgleich mit deren Nachbesetzung sollte 2007 über die weiteren drei Jahre für Nemsic und Fischer entschieden werden, sieht zumindest das im Herbst festgelegte Procedere vor.

Kein Kopfzerbrechen bereitet derzeit nur die TA-Bilanz 2004: Den Nettogewinn erwarten von Dow Jones befragte Analysten bei 198,1 Millionen Euro (nach 134,2 Mio. Euro 2003), das bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) bei 1,557 Mrd. Euro (nach 1,510 Mrd. Euro). Das Betriebsergebnis (Ebit) sollte von 369,8 auf 441,4 zugelegt haben. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.03.2005)