Der österreichische Breitband-Internet-Markt ist 2004 mit plus 6 Prozent auf 25 Prozent der Haushalte langsamer gewachsen als in vielen anderen Ländern. In den Niederlanden etwa wurde ein Wachstum von 16 Prozent verzeichnet, in der Schweiz von 14 Prozent, in Singapur von 13 Prozent und in Japan von 12 Prozent. Dies geht aus einer heute, Dienstag, veröffentlichten aktuellen Studie zur Entwicklung des Breitbandmarktes des Beratungsunternehmens Arthur D. Little hervor.

Stärkere Anstregungen

"Österreich liegt im Wachstums-Mittelfeld, da in vielen Ländern wesentlich stärkere Anstrengungen von öffentlicher Hand gesetzt wurden, um die Breitbanddurchdringung zu steigern", erläuterte Studienautor und Arthur D. Little Austria-Geschäftsführer Karim Taga. Außerdem würden in Österreich attraktive Anwendungen für die Kunden fehlen, während in anderen europäischen Breitbandmärkten zunehmend umfassende Breitbandpakete inklusive TV- und Videodienste vermarktet würden.

Platz 11

Österreich liegt punkto Breitband-Penetration laut Arthur D. Little im internationalen Vergleich auf Platz 11. Führend ist Südkorea mit einer Penetration von knapp 80 Prozent, gefolgt von Hongkong und Taiwan. Auf Platz vier liegt Japan, dahinter kommt Singapur. Die Schweiz liegt als bestes europäisches Land mit einer Penetration von 40 Prozent auf Rang sechs, dahinter folgen die Niederlande, Belgien, Schweden und die USA. Schlechter als Österreich liegen Frankreich, Spanien, Italien und Deutschland.

Steigerungen

Die Zahl der Breitbandanschlüsse in Österreich wird den Prognosen von Arthur D. Little zufolge von derzeit 25 Prozent bis 2007 auf 50 Prozent und bis 2010 weiter auf 71 Prozent steigen. Die Breitband-Umsätze sollen dementsprechend von aktuell 285 Mio. Euro bis 2007 auf 412 Mio. Euro und bis 2010 auf 520 Mio. Euro anwachsen, wobei sich die Wachstumsraten mit zunehmender Penetration abschwächen.

Voice over IP/VoIP

Wachstumstreiber für den österreichischen Breitbandmarkt sind laut Studie neue Technologien wie die Internettelefonie (Voice over IP/VoIP). Auf Grund der vielfältigen Anwendungsmethoden werde sich diese Technologie, deren Voraussetzung im Normalfall ein Breitbandanschluss ist, "erheblich" auf die Entwicklung des Festnetz- und Breitbandmarktes auswirken, meint Taga. Aktuell nutzen 4 Prozent der österreichischen Breitbandkunden VoIP. Bis 2010 könnte dieser Anteil auf mehr als 50 Prozent steigen, wodurch VoIP zur wichtigsten Sprachkommunikationstechnologie im Festnetz werden könnte, so Taga.

Spitzenplatz

Ein weiterer Trend ist das mobile Breitband, wo Österreich im internationalen Vergleich nach Südkorea, Hongkong und Malaysien bereits den vierten Platz einnimmt und damit auf einem Spitzenplatz liegt. In Österreich gebe es aktuell bereits mehr als 50.000 UMTS-Datenkarten der Mobilfunkbetreiber für Laptops im Markt, schätzt Taga auf APA-Anfrage. Mit der zunehmenden Verbreitung von UMTS-Datenkarten, UMTS-Handys sowie weiterer mobiler Breitbandtechnologien wie der Funktechnologie Wireless Local Loop (WLL) würden in Österreich künftig ein Drittel aller neuen Breitbandanschlüsse aus dem mobilen Bereich kommen, schätzt Taga. Bis 2010 seien in Österreich mehr als 20 Prozent der Breitbandkunden aus dem drahtlosen Bereich zu erwarten.

Nett

Die drahtlosen WLAN-Technologie setze sich auch immer stärker durch und sei ein "nettes Zusatzgeschäft" für Mobilfunkbetreiber, meint Taga. Viele User hätten WLAN bereits in ihrem Laptop integriert, immer mehr Unternehmen verfügten über ein WLAN-Netzwerk. Die tatsächliche Nutzung von WLAN sei allerdings noch sehr gering. (APA)