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Viel Erfolg und wenig Freunde: Jose Mourinho.

Foto: APA/EPA/Vieira
London/Frankfurt - Chelseas Trainer Jose Mourinho macht seinem Ruf als Böser Junge der Trainerbranche wieder einmal alle Ehre und sucht im Schiedsrichterstreit die offene Konfrontation mit der UEFA. Der 42-jährige Portugiese verlangt von Volker Roth eine Entschuldigung für dessen Äußerung, Leute wie er seien "Feinde des Fußballs". Andernfalls werde er den Vorsitzenden des UEFA-Schiedsrichter-Komitees verklagen. Roth reagierte umgehend und unnachgiebig auf die Drohungen aus London.

Schriftliche Erklärung von Mourinho

"Herr Roth hat nur zwei Möglichkeiten, aus der Sache rauszukommen: Entweder er entschuldigt sich oder es geht vor Gericht", teilte Mourinho in einer schriftlichen Erklärung am Dienstag mit. Roth steht jedoch zu seinen Äußerungen und denkt offenbar nicht an eine Entschuldigung. "Ich habe auch schon davon gelesen. Ich bin sehr gespannt und freue mich auf die Klage", sagte er am Rand der Tagung der deutschen FIFA-Schiedsrichter in Frankfurt. Er hat Mourinho für den überraschenden Rücktritt des schwedischen FIFA-Schiedsrichter Anders Frisk mitverantwortlich gemacht.

Erkärung von Frisk gefordert

Mourinho ging noch einen Schritt weiter und verlangte von Frisk indirekt, sämtliche Gründe für seinen Rücktritt offen zu legen. "Die müssen aufgeklärt werden", forderte der Portugiese, der sich den Schwarzen Peter nicht zuschieben lassen möchte. "Es kommt mir sehr komisch vor, dass die Entscheidung mit der Kritik an seiner Leitung in Barcelona zu tun haben soll. Solche Kritik ist für Spieler, Trainer und Funktionäre doch fast schon Alltag."

"Wie ein gejagtes Tier"

In einem Interview mit dem "Daily Telegraph" bekräftigtigte Frisk seine Entscheidung: "Ich fühle mich wie ein gejagtes Tier. Man weiß nie, was diese Leute tun werden." Den Chelsea-Coach mahnte er, zukünftig seine Worte zu überdenken. "Mourinho? Zu dem habe ich eigentlich nichts zu sagen, aber Trainer und Manager sollten einmal innehalten und nachdenken, was sie auslösen, wenn sie etwas aus dem Stegreif sagen."

Eingeleitete Untersuchung

Rückendeckung erhielt Roth von Lars-Christer Olsson, dem UEFA-Generaldirektor. "Wir müssen alle bestrafen, die scharfe Äußerungen von sich geben und damit die Sicherheit der Schiedsrichter und ihrer Familie gefährden", betonte Olsson. Die UEFA hat vergangene Woche bereits eine Untersuchung gegen Mourinho und Chelsea wegen der Vorkommnisse beim Achtelfinal-Hinspiel in der Champions League in Barcelona eingeleitet. Der Trainer des englischen Tabellenführers hatte Frisk vorgeworfen, nach einem Halbzeitgespräch mit "Barca"-Trainer Frank Rijkaard anschließend einseitig gepfiffen zu haben.

UEFA will Rücktritt nicht hinnehmen

Die UEFA will den Rücktritt von Frisk, der in jüngster Zeit sogar Morddrohungen erhalten hat, nicht hinnehmen, sie wird laut ihrem Sprecher William Gaillard versuchen, Frisk zum Rücktritt vom Rücktritt umzustimmen. "Wir stehen mit Anders in Kontakt und möchten ihn davon überzeugen, seine Schiedsrichterkarriere fortzusetzen, denn wir brauchen Männer von seinem Kaliber und seiner Qualität", erklärte Gaillard. (APA)