Graz/Wien – "Die Steiermark könnte einen völlig neuen Weg für die Republik gehen." Wie dieser Weg genau ausschauen könnte, wolle er noch nicht verraten, das hänge aber mit seinen Ambitionen zusammen, bei der steirischen Landtagswahl im Herbst mit eigener Liste anzutreten.

Gerhard Hirschmann, Enfant terrible der ÖVP und Ex- Landesrat derselben, glaubt ein Potenzial von gut 15 Prozent hinter sich zu haben, mit dem er die steirische Politiklandschaft umdrehen könnte. Wie die Gemeinderatswahlen mit den zahlreichen Erfolgen für die Bürgerlisten für ihn bewiesen hätten, sei eine projektbezogene "Bürger-Bewegung", wie sie ihm vorschwebe, für eine kleine Revolution gut.

Hirschmann im Gespräch mit dem STANDARD: "Ich weiß ja noch nicht endgültig, ob ich mir das antun werde. Aber wenn – das werde ich am 1. Juni bekannt geben –, dann werde ich sicher kein Mehrheitsbeschaffer für irgendeine Partei sein. Natürlich würde ich bei der Landeshauptmannfrage mitreden. Aber nur unter Bedingungen. Wer bei meinen Punkten eins, zwei und drei mitzieht, bekommt den Zuschlag. More of the same wird es nicht spielen."

In der ÖVP weiß die Parteispitze noch nicht so recht, wie mit Hirschmann umgegangen werden soll. Sein ehemaliger Weggefährte, Landesrat Hermann Schützenhöfer, sagte, er wolle alles unternehmen, damit Hirschmann nicht antritt. Die Bedenken sind begründet. Eine Nachwahlanalyse der ÖVP ergab sehr deutlich, dass die ÖVP überaus anfällig ist für neue Listen. Die ÖVP habe weit mehr an die diversen Listen, die im Großen und Ganzen aus dem ÖVP-Umkreis kamen, verloren als an die SPÖ, sagt VP-Landesgeschäftsführer Andreas Schnider.

Daher wird es für die ÖVP auch nicht uninteressant sein, wie die KPÖ, die in Graz einen gewissen Bürgerlistencharakter besitzt, reüssieren wird. Stadtrat Ernst Kaltenegger, dessen KPÖ in den obersteirischen Industriestädten bei den Gemeinderatswahlen kräftig Stimmen und Mandate gewann, sieht für die Landtagswahlen gute Chancen. Kaltenegger: "Wenn es zu einer Polarisierung SPÖ gegen ÖVP kommt, wird es natürlich schwierig. Aber wenn wir nur die Hälfte unseres Gemeinderatswahlergebnisses haben, könnte sich ein Grundmandat ausgehen."

Bundeswind

Relativ ungehalten reagierte die Bundes-ÖVP auf die Vorhalte der steirischen VP, der kalte "Bundeswind" sei für die schlechte Wahlergebnis mitverantwortlich. Bundeskanzler Wolfgang Schüssel sagte, er sei nicht zuständig für "Wind und Wetter", Wirtschaftsminister Martin Bartenstein kann die Vorwürfe "nicht nachvollziehen".

Im steirischen Landtag wurde am Dienstag bereits die Generalprobe für den Landtagswahlkampf abgehalten. Das neue Semmeringtunnel-Projekt der ÖVP stieß dabei auf heftige "Wahlkampfgag"-Kritik der SPÖ. (Walter Müller, DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 16.3.2005)