Rom - Im Prozess um den Mord an dem Arbeitsrechtsexperten und Regierungsberater Marco Biagi im März 2002 hat ein Gericht in Bologna die abtrünnige italienische Linksextremistin Cinzia Banelli zu 16 Jahren Haft verurteilt. Die Staatsanwälte hatten zuvor 13 Jahre und vier Monate Haft für die Ex-Terroristin beantragt, die sich vor einigen Monaten zur Zusammenarbeit mit der Justiz entschlossen hatte. Banelli wurde auch zur Zahlung einer Entschädigung von einer Million Euro an die Angehörigen Biagis verurteilt.

Banelli, Ex-Mitglied der linksextremen Terrorgruppe "Neue Rote Brigaden", war bereits vor zwei Wochen wegen Beteiligung an dem Mord an Regierungsberater Massimo D'Antona im Mai 1999 zu 20 Jahren Haft verurteilt worden.

Fünf Linksextremisten, Mitglieder der Terrorgruppe "Neue Rote Brigaden", stehen seit Februar wegen des Biagi-Mordes in Bologna vor Gericht. Biagi, Berater des italienischen Arbeitsministers Roberto Maroni, war wegen seiner Bemühungen um eine Reform des Arbeitsmarkts in die Schusslinie der Terroristen geraten. Er wurde von einem Kommando vor seiner Wohnung in Bologna erschossen.

Drei Jahre zuvor, im Mai 1999, hatten die "Neuen Roten Brigaden" den Arbeitsrechtsexperten und Berater des Gewerkschaftsverbands CISL, Massimo D'Antona, erschossen. Dieser hatte sich an einem tief greifenden Reformprojekt zur Flexibilisierung des italienischen Arbeitsmarkts beteiligt. Wegen der Beteiligung am D'Antona-Mord war auch schon Banellis Komplizin, Laura Proietti, zu lebenslänglicher Haft verurteilt worden

Zu den Terroristen, gegen die der Biagi-Prozess läuft, zählt auch die Linksextremistin Nadia Desdemona Lioce, die im vergangenen Juni wegen des Mordes an einem Polizisten im Jahr 2003 zu lebenslänglicher Haft verurteilt worden war. Lioce wird unter anderem des Mordes an D'Antona verdächtigt.

Lioce war Anfang März 2003 festgenommen worden, nachdem sie mit ihrem Komplizen Mario Galesi in eine Schießerei im Regionalzug Rom-Florenz verwickelt worden war. Dabei waren ein Polizist, Emanuele Petri, und Galesi ums Leben gekommen. Im vergangenen Oktober hatte die italienische Polizei neun hochrangige Aktivisten der Neuen Roten Brigaden festgenommen. (APA)