Begonnen haben Seafood als inspirierte Rockband, die deutlich hörbar wusste, wie man das Wort Grunge buchstabiert. Diesbezüglich war man ja in den 90er-Jahren nicht gerade allein auf der Welt.

Das Wissen, dass schlichtes wie schlechtes Kopieren einer Erfolgsformel allein nicht ausreichen würde, unterscheidet die Band von der Insel von etlichen anderen Trittbrettfahrern ihrer Zeit. Ihren nach vorne drängenden Rock bereicherten sie folgerichtig um andere Spielarten.

Auf dem aktuellen Album "As The Cry Flows" (Cooking Vinyl/Hoanzl) etwa bedient niemand Geringerer als der in diesem Blatt hoch geschätzte Ed Harcourt die Tasten der Orgel, des alten Wurlitzers und des Klaviers und bereichert Seafoods Musik um stimmige Facetten. Zudem verbreitet eine Steel-Gitarre die ihr eigenen Emotionen: etwas Fernweh, etwas Wehmut. Insgesamt ergibt das das Bild einer Band, die ihre Visionen ziemlich begnadet umsetzt und bei der einen nicht das Gefühl beschleicht, das wäre jetzt schon alles gewesen.

Zur Verdeutlichung der Entwicklung dieser Band und ihres momentanen State of the Art sei hier noch das gerade ohnehin überall zu lesende Zitat von Sänger David Line hingeschrieben: "Früher haben wir unsere Songs hinter dem Krach versteckt, heute verbirgt sich der Lärm hinter unseren Songs."

Wobei das eine Halbwahrheit ist. Denn live wird es Seafood sehr wahrscheinlich auch hin und wieder ordentlich krachen lassen. (flu/ DER STANDARD, Printausgabe, 16.03.2005)