Stockholm - Die liberale schwedische Tageszeitung "Dagens Nyheter" (Stockholm) meint am Mittwoch zum Verhältnis zwischen der EU und den beitrittswilligen Ländern im ehemaligen Jugoslawien: "Die letzte Anklage vor dem Kriegsverbrechertribunal für Ex- Jugoslawien ist erhoben worden. Mehrere Angeklagte sind in den letzten Monaten freiwillig nach Den Haag gekommen. Ihre Regierungen haben eingesehen, dass die Zukunft des Balkan in der EU liegt, und das erfordert Respekt vor Den Haag. (...)

Mit der EU im Rücken können die Regierungen bisher nicht mögliche Reformen im Rechtswesen, der Polizei, Ausbildung und Infrastruktur durchführen, die sonst nicht möglich wären. Das europäisiert den Balkan und schafft eine gesunde Basis für wirtschaftliche Entwicklung. Deshalb ist es wichtig, dass die EU klar erklärt, dass und unter welchen Bedingungen die Mitgliedschaft möglich ist. Und dass die Bedingungen (...) nicht durch Kontakte in Berlin oder Paris mit alten Schutzmächten wegverhandelt werden können."

Der linksliberale "Guardian" (London) kommentiert am Mittwoch die geplante Aufschiebung des Beginns von Beitrittsverhandlungen mit Kroatien durch die EU-Außenminister. Begründet wird dies damit, dass Kroatien nicht ausreichend mit dem UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag zusammenarbeite und insbesondere nicht genug für die Ergreifung des gesuchten kroatischen Ex-Generals Ante Gotovina getan habe:

"Die Entscheidung ist unausweichlich - und richtig. Sie wird die Regierung in Zagreb enttäuschen, die auf grünes Licht für den Beginn der Beitrittsverhandlungen gehofft hatte. Aber sie muss sich allein die Schuld geben. (...) Kroatiens Regierungschef Ivo Sanader hat davor gewarnt, dass die Verbindung der Erweiterung mit Gotovina eine anti-europäische Rückwirkung erzeugen könnte.

Wenn dies so ist, dann soll es so sein. Die Mitgliedschaft in der EU erfordert die Beachtung fundamentaler Werte wie Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte. (...) Kroatien muss sich seiner Vergangenheit stellen, bevor es sich einer europäischen Zukunft erfreuen kann." (APA/dpa)