Wien - Ulrike Psenner, die neue Präsidentin des Wiener Straflandesgerichts, findet die Sache "äußerst unerfreulich", einige Strafverteidiger sprechen sogar von einem Justizskandal: Ein 45 Jahre alter Wiener wurde schlicht in der U-Haft "vergessen".

Der Vorfall spielte sich bereits im vergangenen Sommer ab, wurde aber erst jetzt publik. Der Mann war mit seiner ehemaligen Lebensgefährtin aneinander geraten, weil er den gemeinsamen zehnjährigen Sohn nachts auf der Straße spielen sah. Über den 45-Jährigen wurde am 24. Juli wegen gefährlicher Drohung die U-Haft verhängt.

Lebensgefährtin zog Anzeige zurück

Am 27. Juli marschierte jedoch seine Exfreundin zur U-Richterin und zog die Ermächtigung zur Strafverfolgung zurück. Obwohl der Haftgrund weggefallen war, reagierte die zuständige U-Richterin nicht. Sie fertigte lediglich einen Aktenvermerk an, wonach die U-Haft "problematisch" sei. Erst acht Tage später, als ein anderer Richter mit dem Fall zu tun bekam, wurde der Mann auf freien Fuß gesetzt. Im folgenden Prozess wurde er dann von sämtlichen Punkten rechtskräftig freigesprochen.

Für die U-Richterin wird die Causa vermutlich keine beruflichen Konsequenzen mehr haben: Sie geht mit Jahresende in Pension.(APA)